Dämpfung des Wachstums: Chinas Wirtschaft schaltet auf Binnenkonsum um

Dämpfung des Wachstums
Chinas Wirtschaft schaltet auf Binnenkonsum um

Chinas Außenhandelsüberschuss schmilzt langsam ab. Nach einem Jahrzehnt enormer Handelsüberschüsse strebt das Land seit der Wirtschaftskrise tendenziell einen Ausgleich zwischen Ein- und Ausfuhren an. Die Stärkung der Nachfrage im Inland soll unter anderem die Abhängigkeit Chinas vom Export mindern.
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PEKING. Chinas Import ist im August schneller gewachsen als der Export. „Das könnte eine deutliche Entlastung für die chinesische Regierung bedeuten, die derzeit seitens ihrer Handelspartner unter Druck steht“, schreiben Ökonomen des Wertpapierhauses Nomura. „Das absolute Niveau des Handelsüberschusses ist allerdings noch ziemlich hoch.“

Peking verfolgt die Strategie, die Nachfrage im Inland zu stärken. Das soll die Abhängigkeit vom Export und das Ungleichgewicht im Außenhandel mindern. „Wir sind überzeugt, dass die Regierung schon bald weitere Maßnahmen ergreifen wird, um den Import zu stimulieren“, so Nomura-Analyst Tomo Kinoshita.

Nach einem Jahrzehnt enormer Handelsüberschüsse strebt China seit der Wirtschaftskrise tendenziell einen Ausgleich zwischen Ein- und Ausfuhr an. „Für das laufende Jahr erwarten wir einen niedrigeren Handelsbilanzüberschuss“, sagte kürzlich Handelsminister Chen Deming. „Unsere Politik zielt darauf, den Export zu stärken und die Importe zu erhöhen“, sagte Chen. Im Herbst wolle die Regierung die Einfuhr durch Vereinfachung von Bürokratie fördern, berichtete die „Chinesische Wirtschaftszeitung“ unter Berufung auf das Handelsministerium.

Peking öffnet den Geldhahn heimlich

Weitere Wirtschaftszahlen vom Sonntag zeigen die chinesische Wirtschaft in auffallend gutem Zustand. Investitionen und Einzelhandelsumsätze sind kräftig gestiegen, während sich die Inflation im Rahmen der Erwartungen hielt. „Die Erholung der Wirtschaftsaktivität war sogar stärker, als es auf den ersten Blick aussieht“, schreiben Experten von Goldman Sachs. Vor allem die Industrieproduktion sei sehr stabil.

China habe den Geldhahn für die Konjunktur „heimlich“ wieder geöffnet und den Banken erlaubt, wieder mehr Kredite zu vergeben. Im Vergleich zum Vorjahresmonat legte die ausstehende Darlehenssumme im August um 19 Prozent zu. Über die Kreditvergabe steuert Peking das Wachstum. Sie kann damit vorgeben, wie viel frisches Geld an die Unternehmen fließt.

Für die zweite Jahreshälfte erwarten Ökonomen in China eine etwas schwächere Konjunktur, nachdem die Wirtschaft im ersten Halbjahr um elf Prozent gewachsen war. Die Regierung versucht grundsätzlich, das Wachstum zu dämpfen, um einer Überhitzung vorzubeugen. Dazu wirkt sie Spekulationen am Immobilienmarkt entgegen. Für den Fall, dass die Binnennachfrage unter den Dämpfern allzu sehr leiden sollte, hat Peking jedoch neue Konjunkturausgaben versprochen. Die Regierung hat sich wegen Unsicherheiten bezüglich der US-Konjunktur noch nicht endgültig zwischen beiden Richtungen entschieden. „Wir beschreiben die Politik so: Ein Fuß steht auf der Bremse, einer auf dem Gaspedal“, so Goldman Sachs.

Nach Daten vom Freitag ist Chinas Handelsbilanzübeschuss im August im Vorjahresvergleich leicht auf 15 Mrd. Euro gesunken. Der Import legte 35 Prozent zu, der um Export 34 Prozent. Im Juli lag das Exportwachstum bei 38 Prozent. Ökonomen zeigen sich von der Höhe der Importsteigerung überrascht und erklären sie mit höherer Binnennachfrage und höheren Preisen für ausländische Produkte.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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