Dahlem oder Mitte?
Umzugspläne sorgen für Unruhe im Berliner DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt nicht zur Ruhe. Ein großer Teil der Belegschaft unterstützt die Pläne der Institutsleitung offenbar nicht, aus dem vornehmen Berliner Stadtteil Dahlem ins Zentrum der Hauptstadt zu ziehen.

HB DÜSSELDORF. Hintergrund des geplanten Umzugs ist die von DIW-Präsident Klaus Zimmermann ausgegebene Neuorientierung der Denkfabrik, wonach das Institut stärker beraten und sich so neuen Auftraggebern öffnen will. In Berlin-Mitte sei das Institut näher an potenziellen Kunden, sagte Zimmermann gestern im Gespräch mit dem Handelsblatt. Es sei ein großer Unterschied, ob das DIW im „verträumten Dahlem“ bleibe oder „am Ort des Geschehens“ in Berlin-Mitte nahe Politikern, Unternehmen und Medien.

„Etwa die Hälfte der Belegschaft wehrt sich gegen diesen Modernisierungskurs – vor allem die älteren Kollegen“, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des DIW gestern dem Handelsblatt.

Gegner des Umzugs argumentieren Presseberichten zufolge, der Umzug sei zu teuer. Der derzeitige DIW-Sitz in Dahlem ist sanierungsbedürftig – von Schimmel, Asbest und Wasserschäden ist die Rede. Die Alternativen aus Sicht des hochrangigen Mitarbeiters, der nicht genannt werden möchte, sind eine rund 1,1 Mill. Euro teure Minimalsanierung des DIW-eignen Hauses oder ein Umzug nach Berlin-Mitte. Die Miete dort koste in den ersten zehn Jahren jährlich 1,2 Mill. Euro.

„Ob das Institut umziehen wird oder nicht, ist keine finanzielle, sondern eine strategische Entscheidung“, stellte Zimmermann gegenüber dieser Zeitung klar. Die Entscheidung liege aber in den Händen der Zuwendungsgeber, des Bundes und des Landes, und werde innerhalb des ersten Vierteljahres 2006 getroffen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Bundes- und Landesregierung von den Vorteilen des Umzugs überzeugen können“, sagte Zimmermann. Etwas weniger zuversichtlich sei er, dass es ihm gelinge, den Betriebsrat von der Wichtigkeit des Umzugs zu überzeugen.

Bei externen Beobachtern kommt der Stil Zimmermanns dagegen sehr gut an. Die Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz (WGL) attestierte dem DIW, auf einem guten Weg zu sein. Die WGL hat das Institut im Herbst 2004 turnusgemäß überprüft. Der Prüfungsbericht wird erst in diesem Herbst veröffentlicht, lag dem Handelsblatt aber bereits im Frühjahr vor. „Das DIW hat sich ganz offensichtlich bemerkenswert entwickelt“, heißt es in dem Bericht. Zu den Stärken des Instituts zählt die WGL die neue Managementstruktur – das Werk von Zimmermann. Er steht seit dem Jahr 2000 an der Spitze des Instituts.

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