Daniel Gros
Contra Zinssenkung: Inflation wird nicht sinken

Die Entwicklungen an den Finanzmärkten der letzten Wochen haben gezeigt, dass das ganze Gerede über Deflation eben nur Gerede war.

In Anbetracht der hohen Wachstumsraten der monetären Aggregate in den wichtigsten Industrieländern müssen sich die Zentralbanken vielmehr mit der Frage auseinander setzen, wohin all diese Liquidität gehen soll. Inzwischen ist klar geworden, dass sie nicht in einem schwarzen Loch namens Liquiditätsfalle verschwinden wird.

Kurzfristig kann sie natürlich in die Finanzmärkte fließen, aber eben nur kurzfristig. Nach den Anleihemärkten scheinen nun die Aktienmärkte an der Reihe zu sein.

Unter diesen Umständen ist es ziemlich großzügig, wenn die Notenbanken nicht umgehend die Leitzinsen anheben. Aber da die Konjunkturerholung im Euroraum bisher noch ein Hoffnungswert ist, dürfte es klug sein, die Zinsen noch für eine Weile konstant zu halten.

Für unveränderte Leitzinsen spricht auch, dass die Inflation nicht schnell nach oben schießen dürfte, auch wenn die Konjunkturerholung stärker ausfällt, als erwartet. Genauso unwahrscheinlich ist aber ein Rückgang der Inflationsrate auf deutlich unter zwei Prozent. Die jüngsten Daten zeigen, dass alles so bleibt wie gehabt: Die Analysten prognostizieren einen deutlichen Inflationsrückgang, der dann ausbleibt. Um dies zu erklären, nehmen sie nachträglich die Güter mit den höchsten Preissteigerungen und bezeichnen diese als Sondereffekte. In der Vergangenheit war dies die Euro-Einführung und der harte Winter, nun ist es vielleicht der außergewöhnlich warme Sommer.

Aus meiner Sicht sind die Enttäuschungen an der Inflationsfront nicht überraschend. Denn die Überkapazitäten sind bei weitem nicht so groß wie vielfach angenommen. Das Produktivitätswachstum ist nämlich in den großen Euro-Ländern deutlich zurück gegangen. Das ist ein längerfristiges Phänomen. Die Inflationsentwicklung dürfte daher noch einige Zeit höher ausfallen als erwartet.

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