Dank Konjunkturpaket
Japan überwindet die Rezession

Nach Deutschland und Frankreich hat auch die japanische Wirtschaft im zweiten Quartal wieder ein leichtes Wachstum gezeigt. Trotz dieses Lichtblicks gehen Experten davon aus, dass der Weg zu einem nachhaltigen und selbsttragenden Wachstum noch langwierig sein wird. Positive Signale auch aus Großbritannien: Die britische Wirtschaft könnte nach Einschätzung der Notenbank ebenfalls auf Wachstumskurs zurückkehren.
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TOKIO. Die japanische Wirtschaft wächst wieder. Nach fünf Minusquartalen stieg das Bruttoinlandprodukt in den drei Monaten von April bis Juni erstmals wieder, teilte das Kabinettsamt gestern in Tokio mit. Im Vergleich zum Vorquartal lag das Wachstum bei 0,9 Prozent. Es war der hauptsächlich Export, der die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt endlich aus dem Tief zog. Auch der private Verbrauch stieg dank Programmen wie der Abwrackprämie um 0,8 Prozent. „Die Strähne der Rezession ist gebrochen“, sagt Ökonom Tetsufumi Yamakawa von Goldman Sachs. „Das Wachstum ist von externer Nachfrage und von dem seit Mai wirkenden Konjunkturpaket der Regierung getrieben.“

Der weitere Ausblick sieht dementsprechend gut aus. „Wir erwarten, dass das BIP auch von Juli bis September wächst und sich das Plus stabilisiert“, sagt Yamakawa. Da die Lager der Industrie nach Produktionskürzungen ziemlich leer aussehen, müssen die Unternehmen von nun an wieder mehr produzieren. Auch der Export nach China werde voraussichtlich weiter steigen. Die bevorstehende Parlamentswahl gebe ebenfalls Anlass zur Hoffnung: Es sehe so aus, als würde eine noch spendierfreudigere Partei gewinnen als derzeit schon an der Macht ist. „Eine Regierung der Demokratischen Partei Japans wird vermutlich die Staatsausgaben weiter anheben, was das Risiko eines Rückfalls verringert“, so Yamakawa.

Auf der anderen Seite zeigen deutliche Warnzeichen, dass die Krise auch für Japan noch nicht überstanden ist. Die Industrie hat ihre Investitionen erneut zurückgefahren. Die Arbeitslosigkeit ist mit 5,4 Prozent nach japanischer Messweise weiterhin hoch. Zudem droht immer noch eine Deflation: Um die verunsicherten Kunden anzulocken, haben viele Anbieter die Preise gesenkt. Eine Abwärtsspirale der Preise würde jedoch das Wachstum stark belasten. „Wir rechnen daher nicht damit, dass die Bank of Japan ihre lockere Geldpolitik schon bald aufgeben wird“, so Ökonom Yamakawa. Die Analysten von Goldman Sachs hatten das Abrutschen Japans in die Rezession bereits 2007 richtig prognostiziert. Jetzt zeigen sie sich deutlich optimistisch für die weiterlaufende Erholung.

Die Aktien in Tokio fielen paradoxerweise deutlich, als die BIP-Daten herauskamen. Marktexperten führen das auf Furcht vor dem Ende der Konjunkturprogramme zurück. Je mehr positive Nachrichten über den Zustand der Weltwirtschaft im Umlauf sind, desto eher stoppen die Regierungen ihre Ausgabenprogramme, so die Logik. Die Aktienkurse orientieren sich in erster Linie an zukünftige Geschäftschancen – und noch mag niemand so richtig an eine Zukunft jenseits der staatlichen Stützung glauben.

Der aller Wahrscheinlichkeit nach bevorstehende politische Wechsel in Japan bedeute jedoch keine größere Unsicherheit für die Wirtschaft, sagt Kenichi Kawasaki von dem Wertpapierhaus Nomura. „Wir erwarten keine abrupten Änderungen in der japanischen Wirtschaftspolitik.“ Seit 1955 regiert in Tokio fast ununterbrochen die Liberaldemokratische Partei (LDP), doch in Umfragen kommt die konkurrierende Demokratische Partei Japans (DPJ) diesmal erstmal auf eine Mehrheit.

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