Das Harakiri-Szenario: Gegen die Bank of Japan ist die EZB ein Leichtgewicht

Das Harakiri-Szenario
Gegen die Bank of Japan ist die EZB ein Leichtgewicht

Japans Notenbank spannt alle Kräfte für ein extremes Experiment an – und will in zwei Jahren eine Billion Euro in die Wirtschaft pumpen. Was wäre, wenn die EZB zu ähnlichen Mitteln greifen würde? Ein Szenario.

DüsseldorfJapan hat ein einzigartiges Experiment gestartet, das die bisherige Krisenpolitik in Europa und den USA weit in den Schatten stellt. Innerhalb von nur zwei Jahren will die japanische Notenbank die Geldmenge des Landes verdoppeln und mit diesen Mitteln vor allem heimische Staatsanleihen kaufen. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Die japanische Notenbank pumpt bis 2014 eine Billion Euro in die Wirtschaft – 77 Prozent oder 770 Milliarden Euro davon sollen in japanische Staatsanleihen mit langer Laufzeit fließen.

Im Vergleich dazu ist das Krisenmanagement von EZB-Chef Draghi geradezu vorsichtig und bescheiden. Zwar hat auch Draghi angekündigt, im Notfall unbegrenzt Anleihen der Krisenländer aufzukaufen. Bisher musste er seinen Worten jedoch keine Taten folgen lassen.

Doch was wäre, wenn sich die EZB an Japan ein Beispiel nähme? Historische Erfahrungen dazu gibt es nicht. Ökonomen schätzen die Folgen unterschiedlich ein.

Nach dem Regierungswechsel im Dezember hat der neue japanische Notenbankchef Haruhiko Kuroda einen drastischen Kurswechsel eingeleitet. Sein vorrangiges Ziel lautet: Die Inflation soll auf zwei Prozent steigen – um die jahrelange Phase sinkender Preise zu beenden. Die Bank von Japan will so lange frisches Geld in die Wirtschaft pumpen, bis sie dieses Ziel erreicht hat.

Bis 2014 ist eine Verdoppelung der Geldbasis von 138 auf 270 Billionen Yen (von 1,05 Billionen auf 2,05 Billionen Euro) geplant. Mit den Mitteln will die Bank von Japan Staatsanleihen mit langer Laufzeit kaufen. Bislang werden 52 Prozent der japanischen Staatsanleihen direkt von inländischen Haushalten gehalten.

Mit der Kaufaktion will die Notenbank die Zinsen für die Staatspapiere drücken und so die inländischen Investoren dazu bringen, riskantere Vermögenswerte zu kaufen – wie zum Beispiel Unternehmensanleihen, Aktien oder Immobilien. Außerdem soll der Wechselkurs des Yen sinken, um die Exportwirtschaft zu stützen.

Die Reaktion der Finanzmärkte auf den Kurs der Notenbank fiel bisher positiv aus: Seit November ist der japanische Aktienmarkt um rund 60 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum fiel der Yen gegenüber dem Euro um etwa 30 Prozent.

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