Konjunktur
„Das nächste Jahr wird nicht einfach“

Der Regierungsberater und Wirtschaftsweise Bert Rürup im Gespräch mit dem Handelsblatt über die schwache Binnenkonjunktur, verunsicherte Bürger und den Nutzen der Arbeitsmarktreform.

Handelsblatt:Der Sachverständigenrat hatte prognostiziert, dass die Binnennachfrage im zweiten Halbjahr anspringt. Das ist aber trotz Exportboom und Steuersenkungen nicht eingetreten. Woran liegt das?


Rürup: Die Wirkungen der Steuersenkung sind verpufft. Die Bürger sind durch die Sozialreformen verunsichert. Zudem ist die Beschäftigung vor allem in der ersten Jahreshälfte noch weiter gesunken. Außerdem haben die hohen Energiepreise den Haushalten Kaufkraft entzogen. Und die Unternehmen sahen – trotz im Durchschnitt ordentlicher Ertragsentwicklungen, boomender Auslandsnachfrage und eines aufgestauten Investitionsbedarfs – noch keinen Anlass, ihre Investitionszurückhaltung abzulegen. Dies ist enttäuschend, lässt aber noch keine valide Aussage über das zweite Halbjahr zu.

Die Exportdynamik lässt bereits wieder nach. Wann kommt für die Binnenwirtschaft die Wende zum Besseren?

Rürup: Nach Lage der Dinge verschieben sich die Wende am Arbeitsmarkt und das Anspringen des privaten Konsums auf das Jahresende. Es gibt nicht nur einen beachtlichen aufgestauten Bedarf an Ersatzinvestitionen, sondern auch einen Nachfragestau nach langlebigen Konsumgütern; beide werden sich auflösen müssen.

Wie geht es 2005 mit der Konjunktur weiter?

Rürup: Das nächste Jahr wird nicht einfach. Investitionen und Konsum dürften sich zwar besser als in diesem Jahr entwickeln – aber die Weltkonjunktur hat ihren Höhepunkt schon wieder überschritten. Dieses Jahr leben wir noch recht gut vom Schub der Exporte; dieser wird sich aber etwas abschwächen. Wir werden – so meine persönliche Ansicht – auch im nächsten Jahr expandieren, aber nach Lage der Dinge dürfte das Wachstum im kommenden Jahr etwas niedriger ausfallen als in diesem. Aber ich bin kein Pessimist und erwarte tendenziell fallende Ölpreise – allerdings ist und bleibt der Ölpreis ein Risiko. Ein dauerhafter Ölpreisanstieg um zehn Prozent bedeutet einen Dämpfungseffekt von 0,2 bis 0,3 Prozent ein Jahr später.

In seinem letzten Gutachten hat der Rat noch einen Ölpreis von 25 Dollar unterstellt...


Rürup: Ja. Und in den vergangen zwölf Monaten ist der Ölpreis um gut 50 Prozent gestiegen. Ein einmaliger auch heftiger Preisausschlag nach oben ist allerdings kein sonderlich gravierendes Problem, er wirkt nicht dauerhaft auf die Inflationsrate und das BIP-Wachstum durch. Auch sind keine Zweitrunden-Effekte zu erwarten.

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