„Das schwächste Glied in der Kette bleibt der deutsche Verbrauch"
Ökonomen warnen vor zu großer Euphorie

Bankvolkswirte haben sich nach den überraschend guten Ifo-Daten zwar zuversichtlich für den kurzfristig zu erwartenden Konjunkturverlauf in Deutschland gezeigt, mittelfristig dominiert jedoch weiterhin eine skeptische Sicht.

HB BERLIN. Analysten sprachen von einem Beleg für die günstigen Konjunkturaussichten für kommendes Jahr. „Wir befinden uns in einer Aufschwungsphase und die wird noch anhalten“, sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank. Ähnlich urteilte Alexander Koch von der HVB Group: „Der vor allem exportgetriebene Aufschwung dürfte die kommenden Monate von weiteren robusten Zahlen begleitet werden“, sagte er. Dennoch wird dies seiner Auffassung nach nicht ausreichen, um der Wirtschaft einen nachhaltigen Aufschwung zu bescheren. Ralph Solveen von der Commerzbank erklärte, mit einer weiteren Erhöhung der Konjunkturdynamik sei vorerst nicht unbedingt zu rechnen. „Es ist gut möglich, dass das Geschäftsklima nur die aktuell sehr gute Lage der Industrie widerspiegelt“, gab der Commerzbank-Ökonom zu bedenken.

Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg sprach hingegen von „vorzüglichen Aussichten“ für das erste Quartal 2006. Dies erhöhe jedoch die Wahrscheinlichkeit einer EZB-Zinserhöhung im März, sagte der Volkswirt. Die meisten Bankökonomen erwarten zurzeit, dass die deutsche Wirtschaft 2006 um 1,5 Prozent wachsen wird, nach wohl nur 1 Prozent in diesem Jahr. Allerdings wird bereits für 2007 wieder ein Wachstumsknick erwartet. Im dritten Quartal 2005 war die deutsche Wirtschaft um 0,6 Prozent gewachsen.

Vor der Veröffentlichung der jüngsten Ifo-Daten hatte bereits eine ganze Serie von Konjunkturindikatoren positiv überrascht und die Hoffnung genährt, dass Deutschland 2006 einen merklichen Aufschwung erlebt. Viele Ökonomen erwarten inzwischen ein Wirtschaftswachstum von über 1,5 Prozent und sind damit sogar optimistischer als die Bundesregierung. „Der unerwartet kräftige Anstieg des Ifo-Index gibt den Aufschwungshoffnungen richtig Auftrieb“, kommentierte David Brown von Bear Stearns die Daten.

Allerdings zieht der private Konsum bisher nicht mit, was aber wesentlich für einen nachhaltigen Aufschwung wäre. „Das schwächste Glied in der Kette bleibt der deutsche Verbraucher“, sagte Brown. Auch Alexander Koch von der HypoVereinsbank warnte besonders mit Blick auf den Einzelhandel vor Euphorie. „Es gibt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.“ Zumindest zum Jahresende werde aber das Wachstum mit 0,4 Prozent fast so kräftig ausfallen wie im Sommer, als die Wirtschaft um 0,6 Prozent gewachsen war.

An den Finanzmärkten verstärkte die Aussicht auf eine stabile Konjunkturerholung in Deutschland die Erwartung weiterer Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB). „Das wird ihnen etwas mehr Selbstvertrauen geben, um die Zinsen in den kommenden Monaten weiter zu erhöhen“, erklärte Bear-Stearns-Analyst Brown. HVB-Experte Koch geht aber nicht von einem schnellen Schritt aus: „Es war schwierig genug, die erste Erhöhung herauszuwürgen.“ Anders als in Deutschland laufe die Wirtschaft in Italien oder Frankreich derzeit nicht so gut.

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