Daten für August
Schwächere Inflation verschafft der EZB Luft

Nach ersten Schätzungen hat sich die Inflation in Deutschland im August abgeschwächt. Grund ist die schwächere Weltkonjunktur. Damit sinkt der Druck auf die EZB, die Zinsen weiter zu senken.
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BerlinBilligere Energie und Lebensmittel haben die Lebenshaltungskosten im August gedrückt. Die Verbraucherpreise fielen in Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen um bis zu 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilten die Statistischen Landesämter am Montag mit. In Bayern blieben sie konstant. Die jährliche Teuerungsrate gab in allen fünf Ländern nach und lag zwischen 1,9 (Brandenburg) und 2,4 Prozent (Sachsen).

Das Statische Bundesamt will noch am Nachmittag eine erste bundesweite Schätzung veröffentlichen, wenn auch die Daten aus Baden-Württemberg vorliegen. Analysten rechnen mit einer Inflationsrate von 2,3 Prozent . Im Juli hatte sie bei 2,4 Prozent gelegen - noch schneller waren die Preise zuletzt vor knapp drei Jahren gestiegen.

„Wir haben den Höhepunkt der Inflation überschritten“, sagte Analyst Lothar Hessler von HSBC Trinkaus. „Grund dafür ist vor allem der fallende Ölpreis.“ Angesichts der schwächeren Weltkonjunktur könne er sogar noch weiter sinken. Ähnlich äußerte sich Helaba-Experte Stefan Mütze: „Wir haben in Deutschland keinen großen Preisdruck - auch wegen der schwächeren Konjunktur. Bis Ende des Jahres dürfte die Inflation weiter zurückgehen.“

Der geringere Preiszuwachs verschafft auch der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder etwas Spielraum in der Geldpolitik. Das Thema Zinserhöhungen dürfte für sie nun nicht mehr ganz oben auf der Agenda stehen.

Wegen wachsender Inflationsgefahren hat die EZB ihren Leitzins in diesem Jahr zweimal angehoben - von 1,0 auf 1,5 Prozent. Inzwischen gehen die meisten Experten davon aus, dass die EZB ihren Leitzins in diesem Jahr nicht mehr antastet. Ursprünglich war zunächst noch mindestens eine weitere Anhebung erwartet worden.

„Inflation kann für die EZB kein Thema mehr sein: Kurz- bis mittelfristig muss sie sich jedenfalls keine Sorgen machen“, sagte DekaBank-Experte Sebastian Wanke. Der Aufschwung in der Euro-Zone war im Frühjahr fast zum Erliegen gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs nur noch um 0,2 Prozent. Zu Jahresbeginn waren es noch 0,8 Prozent. Höhere Zinsen können das Wachstum dämpfen, weil sie Kredite für Konsum und Investitionen verteuern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die(angeblich)sinkende Inflation führt also dazu, dass der Druck auf die EZB sinkt, die Zinsen weiter zu SENKEN? Erstaunlich! Wohl mal wieder den Volontär drangelassen, oder? Einfach noch mal durchlesen, dann klappt´s auch mit den Fakten...

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