David Walton
Pro Zinssenkung: Europa braucht kräftigen Aufschwung

Die EZB sollte sich durch Anzeichen einer Belebung der Weltwirtschaft nicht davon abhalten lassen, ihren Leitzins nochmals zu senken.

Tatsächlich waren die jüngsten Wirtschaftsindikatoren aus den USA und Japan überwiegend besser als erwartet. In der Eurozone sind die Erholungssignale zwar spärlicher, aber immerhin hat sich das Wirtschaftsklima verbessert, insbesondere in Deutschland.

Doch werden die Nachwirkungen des lange Zeit unverhältnismäßig schwachen Wirtschaftswachstums noch einige Zeit anhalten. In vier der fünf größten Euro-Länder war das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal dieses Jahres niedriger als sechs Monate zuvor. Die bereits seit neun Quartalen zunehmende Unterauslastung der Produktionskapazitäten hat den Druck auf die Preise verstärkt

.

Die Inflationsrate unter Ausschluss der Preise für Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel (Kernrate) ging von März bis Juli von 2,7 auf 1,9 Prozent zurück. Besonders wichtig ist der Rückgang der Preissteigerungsrate für Dienstleistungen um einen halben Prozentpunkt seit Ende letzten Jahres.

Der Rückgang der Kerninflation dürfte sich so lange fortsetzen, bis die Unterauslastung der Produktionskapazitäten ein Stück weit abgebaut ist. Damit die Inflationsrate, wie von der EZB angestrebt, nahe zwei Prozent bleibt, muss die Wirtschaft des Euroraums für geraume Zeit deutlich stärker wachsen als das Produktionspotenzial zunimmt. Das ist bei den gegenwärtigen Leitzinsen zwar denkbar, der EZB-Schattenrat hat aber noch erhebliche Zweifel.

Nach den jüngsten Prognosen der Mitglieder wird die Wirtschaft im nächsten Jahr nur mit 1,7 % wachsen. Trotz der zunehmenden Anzeichen, dass der Aufschwung bald beginnt, ist diese Prognose nochmals etwas niedriger als noch vor zwei Monaten. Eine weitere Zinssenkung wäre eine zusätzliche Versicherung für einen nachhaltigen Aufschwung und gegen einen übermäßigen Rückgang der Inflation.

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