Debatte über Clearingstelle
EZB besorgt über Interbankenhandel

Die Europäische Zentralbank (EZB) fürchtet, dass die jüngsten Zinssenkungen verpuffen. Nach wie vor klemme der Handel zwischen den Banken, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell im Interview mit dem Handelsblatt. Die EZB steht daher einer Clearingstelle für Interbankenkredite aufgeschlossen gegenüber.

"Das ist eine der Ideen, das Interbankenrisiko zu reduzieren. Wir werden im EZB-Rat darüber beraten, sobald der Vorschlag auf dem Tisch liegt", sagte das Mitglied des EZB-Direktoriums Gertrude Tumpel-Gugerell im Gespräch mit dem Handelsblatt.

In deutschen Regierungskreisen wird verstärkt über eine entsprechende Clearingstelle diskutiert, um den brachliegenden Interbankenhandel wieder flott zu kriegen. Denn nach wie vor ist das Misstrauen unter den Banken bedingt durch die Finanzmarktkrise so groß, dass sie das Geld lieber zur Zentralbank tragen als es sich untereinander auszuleihen.

Auch Günther Merl, der Sprecher des Leitungsausschusses des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) kann der Idee Charme abgewinnen. "Kurzfristig kann es sinnvoll sein, wenn sich der Bund oder die Bundesbank dazwischen stellen um den Handel zwischen Banken wieder aufleben zu lassen." Allerdings müssten die Hilfen für den Interbankenhandel auslaufen, sobald die Finanzkrise sich dem Ende neige.

In Deutschland wurde neben der Bundesbank auch die KfW als Clearingstelle ins Gespräch gebracht. Eine Bank könnte dann über den Umweg der Bundesbank oder der KfW Geld an andere Institute verleihen. Die zuständige Institution müsste dann auch die Rückzahlung garantieren.

Mit Blick auf die Diskussion in Deutschland warnt Tumpel-Gugerell allerdings vor einer "Renationalisierung der Finanzmärkte". Lokale Lösungen würden zu einer Segmentierung im Geldmarkt führen. Der gemeinsame Geldmarkt des Euro-Raums müsse erhalten bleiben. Daher sei es wichtig, dass entsprechende Lösungen allen Euro-Ländern zur Verfügung stehen.

Für die Bundesbank ist aber klar, dass eine Clearingstelle nicht "auf einzelne Mitgliedsstaaten des Euro-Raums zu begrenzen" sei. Das sieht auch der finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Hans-Ulrich Krüger, so. "Das Misstrauen endet nicht an der Grenze. Daher ist eine supranationale Lösung naheliegend, um das Interbankenproblem zu beheben", so der sozialdemokratische Finanzexperte.

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