Demografie in Deutschland
Exportüberschüsse haben keine Zukunft

Einer Studie zufolge wird Deutschland ab dem Jahr 2028 keine Exportüberschüsse mehr erzielen. Grund ist der demographische Wandel. Auch der kritisierte Überschuss in der Leistungsbilanz dürfte nicht von Dauer sein.
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BerlinDeutschland wird einer Studie zufolge ab 2028 keine Exportüberschüsse mehr erzielen. „Die Ursache dieser Entwicklung ist der demografische Wandel, die Schrumpfung und Alterung der deutschen Bevölkerung“, heißt in der am Freitag veröffentlichten Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). „Wir werden viel weniger Erwerbstätige haben, weshalb weniger exportiert werden kann“, sagte ZEW-Experte Marcus Kappler der Nachrichtenagentur Reuters. „Gleichzeitig wird der Konsum der Älteren durch höhere Importe gedeckt werden müssen.“

Auch der von vielen EU-Ländern kritisierte hohe Leistungsbilanzüberschuss - der neben der Handelsbilanz etwa auch die Entwicklung der Dienstleistungen sowie der Erwerbs- und Vermögenseinkommen berücksichtigt - ist demnach nur eine Momentaufnahme. „Langfristig wird er mehr und mehr abschmelzen und etwa bis zum Jahr 2030 ganz verschwunden sein“, schreibt das ZEW. „Danach ist sogar ein Minus in der Leistungsbilanz zu erwarten, das sich in seiner Höhe dauerhaft bei etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Jahr einpendeln könnte.“

„Kapital aus dem Ausland notwendig“
2011 hatte Deutschland einen Überschuss in der Leistungsbilanz von rund 136 Milliarden Euro ausgewiesen. Das entspricht etwa 5,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Grund dafür sind vor allem die enormen Exportüberschüsse: Der Wert der Ausfuhren übertraf den der Einfuhren um 159 Milliarden Euro.


Der Studie des ZEW zufolge - die mit der Universität Ulm im Auftrag des Bundesfinanzministeriums angefertigt wurde - werden die Rentner in Deutschland einen größeren Teil ihres in der Erwerbsphase angesammelten Vermögens im Alter aufbrauchen. Die Sparquote werde deshalb deutlich sinken. Gleichzeitig nehme die Zahl der Erwerbstätigen ab. „Ab 2033 werden sogar die inländischen Investitionen jährlich höher ausfallen als die inländischen Ersparnisse“, sagten die ZEW-Wissenschaftler voraus. „Kapital aus dem Ausland muss dann zur Finanzierung dieser Investitionen herangezogen werden. Die deutsche Leistungsbilanz rutscht ins Minus.“

Kritik aus dem Ausland
In der Schuldenkrise wird Deutschland von vielen Euro-Ländern, aber auch den USA immer wieder vorgeworfen, einseitig auf den Export zu setzen. Stattdessen sollte hierzulande die Binnennachfrage angekurbelt werden, um Krisenländern die Chance zu geben, ihre Exporte nach Deutschland zu erhöhen.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Demografie in Deutschland: Exportüberschüsse haben keine Zukunft"

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  • Volle Zustimmung! Verschärft wurde das ganze durch seit der Wiedervereinigung stagnierende Reallöhne und den Niedriglohnsektor. Denn das hat die Binnennachfrage geschwächt und noch mehr Produktionsmittel in exportorientierte Sektoren gelenkt.
    Außerdem frage ich mich, warum die Besteuerung auf Unternehmensgewinne und Kapitaleinkünfte gesenkt wurde - denn die haben doch am meisten von den Exportüberschüssen profitiert.

  • Hallo! Aufwachen! Welch ein schlimmer Unsinn! Der Geburtenrückgang wird durch eine starke Zuwanderung kompensiert, das haben wir schon die letzten zwei Jahre gesehen, wo die Bevölkerung aufgrund der Zuwanderung in Deutschland ZUGENOMMEN statt abgenommen hat! Die Demografie-Katastrophe ist abgesagt! Das haben die Statistiker und Alarmisten nur noch nicht bemerkt.

  • Dererlei Aussagen für die Zukunft in 20 Jahren, erinnert an Weissagungen beim Hellseher. Hoffentlich hatten die Weissager eine ordentlich geputzte Glaskugel!?

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