Denkfabrik unter der Lupe
Institut für Wirtschaftsforschung Halle hat Zukunft

Alle paar Jahre werden die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute von unabhängigen Experten durchleuchtet. Das Ziel der Prüfer: Sie wollen wissen, ob die Denkfabriken noch die öffentliche Förderung verdienen. Im Dezember war das einzige ostdeutsche Institut an der Reihe. Das Ergebnis liegt dem Handelsblatt in Auszügen vor - und fällt durchwachsen aus.

DÜSSELDORF. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat eine Reihe erheblicher Defizite aufzuarbeiten, ist in seiner Existenz aber nicht bedroht. Die Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz (WGL) dürfte sich nach einem unter dem Strich positiven Urteil einer Gutachterkommission dafür aussprechen, das Institut weiter öffentlich zu fördern. Das geht aus einem Bewertungsbericht hervor, der dem Handelsblatt in Auszügen vorliegt.

Die WGL hatte die Denkfabrik Ende 2006 turnusgemäß überprüfen lassen. Der Bericht liegt dem IWH seit Wochenbeginn zur Stellungnahme vor und wird im Juli dem Leibniz-Senat zur Prüfung präsentiert.

„Das ist ein konstruktiver Bericht, der eine gute Grundlage für die nächsten Jahre darstellt“, sagte IWH-Chef Ulrich Blum, der das ostdeutsche Wirtschaftsforschungsinstitut seit 2004 leitet, dem Handelsblatt. „Man überlebt“, hieß es von Mitarbeitern gestern zu dem Schreiben. Auf der Mängelliste der Evaluatoren steht vor allem die Publikationsleistung, deren Quantität und Qualität „immer noch verbesserungsbedürftig“ sei. Der Empfehlung, sich klarer auf die Untersuchung von Transformationsprozessen zu konzentrieren, habe das IWH nicht entsprochen. „Das Forschungsprogramm ist heterogen und wenig strukturiert“, heißt es in dem Bericht.

Die weitere Finanzierung des Instituts durch Bund und Länder scheint durch den Bericht der Prüfer trotz der Kritik gesichert. Die Hallenser zählen zu den sechs deutschen Wirtschaftsforschungseinrichtungen, deren Etat rund zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert wird. Das IWH erhält aus dieser Quelle derzeit rund 4,2 Mill. Euro pro Jahr, hinzu kommen 0,5 Mill. Euro aus Drittmitteln. Das Evaluierungsergebnis dient der Leibniz-Gemeinschaft als Grundlage für die Entscheidung, ob sie den Geldgebern die weitere Förderung aus Steuermitteln empfiehlt.

Beobachter der Institutslandschaft hatten nicht ausgeschlossen, dass dem IWH ein ähnliches Schicksal wie dem Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) droht. Ende 2006 musste das traditionsreiche Haus schließen, nachdem die WGL ihm die Förderungswürdigkeit abgesprochen hatte. Aus dem HWWA ging das privat finanzierte Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hervor. Alle fünf bis sieben Jahre werden die Bund-Länder-finanzierten Institute durch eigens von der WGL gebildete Kommissionen aus unabhängigen Forschern geprüft.

Einer der zentralen Kritikpunkte, die Publikationsleistung der Hallenser Ökonomen, wird aus Sicht von IWH-Präsident Blum derzeit beseitigt: Seit seinem Amtsantritt habe das Institut seine Forschungsleistung jährlich „dramatisch gesteigert“ von vier auf acht, 17 und im vergangenen Jahr etwa 20 Publikationen. Derzeit beschäftigt die Denkfabrik rund 75 Mitarbeiter, darunter gut 40 Wissenschaftler.

Insgesamt kommen die Prüfer zu dem Schluss, das Institut sei in einer „Übergangsphase“. Blum habe „eine inhaltliche und strukturelle Reform iniitiert, die bereits zu einem erkennbaren Fortschritt geführt hat, aber noch nicht abgeschlossen ist“, heißt es in dem Bewertungsbericht.

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