„Depression und Zerstörung“
Euro-Krise könnte sich zum Flächenbrand ausweiten

Italien unter Druck, Spanien immer mehr auf EZB-Hilfe angewiesen, Griechenland ohne Chance auf Besserung der Lage: Die Zeichen mehren sich, dass sich die Euro-Krise ausweitet. Ökonomen blicken mit Sorge in die Zukunft.
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BerlinSo weit ist es inzwischen gekommen: Angesichts der anhaltenden Euro-Krise wünscht sich einer aktuellen Umfrage zufolge inzwischen eine deutliche Mehrheit der Deutschen die D-Mark zurück. In einer am Freitag vom Online-Dienst boersennews.de veröffentlichten Erhebung sprachen sich 58 Prozent der Befragten für die Rückkehr zur alten bundesdeutschen Währung aus. Demgegenüber plädierte nur eine Minderheit für die Beibehaltung der europäischen Gemeinschaftswährung. Die Aussage „Der Euro ist gut für uns alle - Wir sollten ihn behalten“ befürworteten 42 Prozent. Damit vergrößerte sich der Kreis der Euro-Gegner fast um die Hälfte. Bei der vorangegangenen Umfrage 2010 hatten sich 39 Prozent der Befragten die D-Mark zurückgewünscht, während 61 Prozent den Euro behalten wollten. Der Umfrage-Befund ist angesichts der Nachrichtenlage um Italien, Spanien und Griechenland nachvollziehbar. Nichts deutet darauf hin, dass die europäische Schuldenkrise in absehbarer Zeit bewältigt sein wird.

Italien steht nach dem harten Moody’s-Urteil unter Druck, auch wenn die Ratingherabstufung am Markt weitgehend verpufft ist und das Land auch in diesem Umfeld Anleihen platzieren konnte, teilweise sogar zu niedrigeren Anschlusskonditionen. Den Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, beeindruckt das wenig, er sieht Italien als Kandidat für den Rettungsschirm. „Es ist nicht auszuschließen, dass am Ende auch Italien den Rettungsfonds um Hilfe bittet“, sagte Krämer Handelsblatt Online. Premier Mario Monti habe ja selbst diese Möglichkeit bereits mehrfach erwähnt.

Nach Krämers Einschätzung könnten sich die Schwierigkeiten Italiens zudem auch negativ auf den weiteren Verlauf der Euro-Schuldenkrise auswirken. Als Grund nannte er die Reformpolitik, die „zum Stillstand gekommen“ sei, obwohl sie noch gar nicht richtig begonnen habe. „Aber ohne einen Reformdurchbruch im größten Peripherieland lässt sich die Staatsschuldenkrise nicht lösen.“

Einen weiteren Hinweis darauf, dass sich die Schuldenkrise zu einem Flächenbrand ausweiten könnte, liefert Spanien. Die Abhängigkeit des spanischen Finanzsektors von der Europäischen Zentralbank (EZB) steigt weiter: Im Juni sind die Netto-Ausleihungen der spanischen Geldhäuser bei der Notenbank um 17,2 Prozent von 287,8 Milliarden auf 337,2 Milliarden Euro geklettert, wie aus den neuesten Daten der spanischen Notenbank hervorgeht. Damit beziehen die Institute des rezessionsgeplagten Euro-Schwergewichts mehr Mittel als jemals zuvor von der EZB. Im Jahresvergleich legten die Ausleihungen um 606 Prozent zu.

Zum großen Problem könnten sich auch die Reform- und Sparanstrengungen der Regierung in Madrid erweisen, die im Gegenzug für Banken-Hilfen aus der Euro-Rettungsschirm ESM, angestoßen wurden. Denn die festgelegten Defizitziele für die autonomen Regionen sorgen für mächtigen Ärger. Sechs der insgesamt 17 autonomen Regionen weigern sich, den neuen Defizitzielen zuzustimmen, wie die Zeitung „El País“ berichtet. Darunter seien sogar zwei, die von der regierenden Volkspartei (PP) kontrolliert werden. Die Regionen fordern von der Regierung eine Lockerung des für dieses Jahr festgesetzten Defizitziels von 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Sie argumentieren, dass die EU-Kommission am vergangenen Montag schließlich Spanien für 2012 eine Neuverschuldung von 6,3 Prozent statt wie ursprünglich geplant 5,3 Prozent zugestanden hatte.

Auch in Griechenland spitzt sich die Lage wieder zu. Dem Mittelmeerstaat droht großer Ärger mit seinen internationalen Geldgebern, weil Reformzusagen wohl deutlich verfehlt wurden.  Laut „Rheinischer Post“ geht das aus einem vorläufigen Bericht der Troika hervor. Die griechische Regierung hat demnach 210 von rund 300 Sparvorgaben nicht erfüllt. Bei den Privatisierungen würden dieses Jahr nur zwei Maßnahmen mit dem Volumen eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrages umgesetzt, schreibt die Zeitung unter Berufung auf ein deutsches Regierungsmitglied, das mit dem Bericht vertraut sei. Vom Urteil der „Troika“ aus Fachleuten der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds hängt jeweils die Auszahlung neuer Hilfszahlungen für Griechenland ab. Athen will bei den internationalen Geldgebern eine Streckung der neuesten Sparauflagen um mindestens zwei Jahre erwirken, wie das Finanzministerium am Donnerstag mitgeteilt hatte.

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  • Es gibt keine "richtige" Wahrheit/Wirklichkeit in der ohnehin "falschen" Wahrheit/Wirklichk, sondern nur noch die Illusion davon. Das fing schon bei Kohl an, der meinte, sich per europ. "Zwangsbeglückung", über sämtliche (gesunde) Bedenkenträger und Bevölkerungsgruppen einfach hinwegsetzen zu können. Der Keim des Surrealen war also da schon gelegt und mutiert nun zu wahrer Größe. Die halbwegs "versöhnte Verschiedenheit", die den eigentlichen Reichtum Europas einst ausmachte, mußte einer grauen, lauwarm bis schal schmeckenden Einheitspampe weichen. Gratulation! Allen Illusionisten und Eurabiern ist endlich gelungen, diesen Kontinent an den Rand des finanziellen (und geistigen) Wahnsinns zu treiben. Wie "Mutti" den Europäischen Untergang (EU) weiter verwaltet, bleibt abzuwarten - aber es scheint wohl ein Schrecken ohne Ende zu werden.

  • Euro-Krise könnte sich zum Flächenbrand ausweiten
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    Das könnte nicht nur - das ist doch schon der Fall.
    Es schockiert mich gar nichts mehr, es ist zu wahnsinnig um wahr zu sein. Träumt man oder denkt man hellwach und - befindet sich in der Realität?
    Der Flächenbrand ist längst da, es lodert doch überall.
    Dieses absurde Spiel läuft nur weiter, weil die Bevölkerung in der Masse weiter mitspielt. Alle sind von der Spielsucht- im Geldcasino erfasst. Man wartet auf den Knaller. Leute, der kommt,aber anders.
    Und-wo endet die "Spiel-Sucht"? Im Bankrott- in der Anstalt-- im Nichts!.
    Jeder hofft aus der Missere seinen Gewinn zu erzielen, es ist wie beim Lotto- einer gewinnt- oder einige-- aber in Europa ist der Gewinner mit Sicherheit nicht der kleine Mann, der auf den Spekulationszug noch mit aufspringt.
    Die Masse säuft ab und verliert. Die/der Macher hinter den Kullissen kassiert- Das Geld und die Macht.
    Europa ist nur noch ein Alptraum für das Volk, doch alle wollen diesen Alptraum solange wie möglich genießen, sie ziehen keine Konsequenzen. So geht der Irrsinn weiter bis zum letzten Schuß- alle Spieler hoffen zu gewinnen. Der Gewinner steht jedoch längst fest.
    Wäre eine Idee- für ein neues Kasperlspiel - abgewandelt:
    "Der Kasperl und das Krokodil"! Da begnügt sich das Krokodil aber nicht mit einer Leberwurst-da gibt es den großen Leckerbissen....
    Allen einen schönen Sonntag.

  • nix kapiert...
    Krisen sind allesamt GEMACHT!

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