Der Aufschwung kommt
Ifo-Index deutet auf Erholung im Herbst hin

Wann kommt endlich der heiß ersehnte Aufschwung? Die Stimmungsumfragen unter Unternehmer, Konsumenten und Finanzmarktexperten liefern wieder positive Ergebnisse – aus den so genannten harten Konjunkturdaten lässt sich allerdings noch kein eindeutiger Trend ablesen. Wenn der Ifo-Geschäftsklima-Index dieses Jahr kein Fehlsignal sendet, dann müssten sich spätestens im Herbst erste Zeichen für einen Aufschwung zeigen.

pbs DÜSSELDORF. Denn das Barometer, das auf einer Umfrage unter rund 7 000 Unternehmern basiert, läuft der tatsächlichen konjunkturellen Entwicklung etwa drei Monate voraus. Im Juli war der Index den dritten Monat in Folge gestiegen und hatte damit eine Trendwende in Aussicht gestellt.

Erste, relativ verlässliche Signale für eine tatsächliche Erholung würde ein Anstieg der Industrieproduktion liefern. Sie entwickelt sich in der Regel parallel zum Bruttoinlandsprodukt – mit dem Vorteil, dass die Daten deutlich früher veröffentlicht werden. Der Sektor trägt zwar nur rund 32 % zur deutschen Wirtschaftsleistung bei – der Dienstleistungssektor dagegen rund 66 %. „Aber die Industrie ist der Motor. Wenn dort mehr produziert wird, strahlt das auf die anderen Sektoren aus“, sagt Andreas Scheuerle, Ökonom bei der Deka Bank. Schon in diesem Monat müsste sich die Auftragslage der Unternehmer deutlich verbessern, damit spätestens im Oktober die Industrieproduktion steigt. Denn die Ordereingänge wiederum laufen der Entwicklung des Industrieoutputs um ein bis drei Monate voraus. Scheuerle erwartet bereits für September ein Anziehen der Industrieproduktion.

Noch steckt der Sektor den bisher verfügbaren Daten zufolge aber im Tief, die Auftragseingänge haben sich zuletzt stark schwankend entwickelt. Auch die Einzelhandelsumsätze, die dem privaten Verbrauch voraus laufen, pendelten in den vergangenen Monaten zwischen Zuwächsen und Rückgängen hin und her – allerdings immerhin mit leicht positiver Tendenz.

Industrie steckt im Tief

In der aktuellen Umfrage des Münchener Ifo-Instituts haben sich zwar besonders viele Unternehmer aus dem verarbeitenden Gewerbe – und auch aus dem Bauhauptgewerbe – optimistischer geäußert. In den harten Daten zur Industrieproduktion hat sich diese Stimmungsaufhellung aber noch nicht niedergeschlagen: Von März bis Juni ist der Output des Sektors im Monatsvergleich jeweils gesunken – zuletzt als Folge der Streiks in der Metallindustrie. Im zweiten Quartal insgesamt ging die Industrieproduktion um 0,2 % gegenüber dem ersten Vierteljahr zurück. Während zuletzt in den alten Bundesländern weniger hergestellt wurde, stagnierte das Niveau des Outputs in den neuen Ländern. Bereits die Juli-Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) unter 300 Firmen hatte belegt, dass sich die Stimmung im Osten verbessert hat – und sogar die aktuelle Lage optimistischer beurteilt wird.

Auftragslage noch mau

Die deutsche Industrie hat im Juni zwar deutlich mehr Aufträge bekommen: Die Orders sind um 2,4 % gegenüber Mai gestiegen. Allerdings folgte dieser deutliche Zuwachs auf einen herben Rückschlag im Mai. Generell schwanken die Daten zur Auftragslage allerdings stark, weil sie oft durch einzelne Großaufträge verzerrt werden, wie beispielsweise im Juni. Damals waren die Bestellungen aus dem Ausland um 5,7 % höher ausgefallen als im Mai. Vor allem Investitionsgüter made in Germany waren gefragt. Aus Deutschland selbst kamen dagegen im Juni weniger Bestellungen als noch im Vormonat. Den Aussagen der Unternehmer zufolge dürfte sich die Auftragslage aber im August erneut verbessert haben. Das geht zumindest aus der aktuellen Reuters- Umfrage unter Einkaufsmanagern in der Industrie hervor.

Skeptische Einzelhändler

Der private Verbrauch trägt in Deutschland zu etwa 57 % der Wirtschaftsleistung bei – in den USA sind es sogar gut zwei Drittel. Dennoch ist das Konsumverhalten der deutschen Verbraucher entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung. Im zweiten Quartal hat der private Verbrauch keinen Beitrag zum Wachstum geliefert – der kam durch den Staatskonsum zu Stande. In den Einzelhandelsumsätzen spiegelt sich das Ausgabeverhalten am besten wider. Allerdings schwanken sie stark – etwa in Abhängigkeit von Schlussverkäufen, beweglichen Feiertage oder Schulferien. Im Juni waren die Umsätze den Daten der Deutschen Bundesbank zufolge gestiegen. Die aktuelle Ifo-Umfrage zeigt allerdings, dass die Einzelhändler wieder etwas pessimistischer in die Zukunft blicken. Zuvor hatte sich die Stimmung in der Branche seit Jahresanfang – von niedrigem Niveau aus – leicht aufgehellt.

Unternehmer schöpfen Mut

Endlich ist es so weit: Im August beurteilen deutsche Unternehmer auch die aktuelle Lage hier zu Lande wieder besser. Das geht aus der August-Umfrage des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung hervor. Der Ifo-Geschäftsklima-Index war zwar bereits in den drei voran gegangenen Monaten gestiegen – allerdings allein weil die Manager die künftige wirtschaftliche Entwicklung positiver eingeschätzt hatten. Die optimistischere Einschätzung der Lage gilt als Zeichen für eine baldige Erholung der Konjunktur. Im August hat sich vor allem die Stimmung in der Industrie und im Großhandel aufgehellt. Etwas besser war sie auch im Bauhauptgewerbe. Trotz des positiven Signals rechnen Ökonomen aber nur mit einer moderaten Erholung. Von einem richtigen Aufschwung fehle jede Spur. Der Ifo-Index zeigt eine Trendwende der Konjunktur in der Regel drei Monaten im voraus an.

Finanzexperten optimistisch

Sie hatten das Lager der Pessimisten als erste verlassen: Finanzexperten aus Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen. Das zeigt der Anstieg des ZEW-Index seit Jahresbeginn. Monatlich befragt das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) gut 300 institutionellen Investoren, wie sie die Lage und die Aussichten der Konjunktur einschätzen. Das Barometer liegt deutlich über seinem historischen Mittelwert von 33 Punkten. Weil eine Reihe von US-Konjunkturdaten besser ausgefallen ist, sind die Experten im August nochmals zuversichtlicher geworden. Wie auch beim Ifo-Index klaffen allerdings die Beurteilung der Lage und die Einschätzung der Zukunft auseinander. Immer noch 93 % der Befragten die aktuelle Situation als „schlecht". Der Index läuft der Konjunktur etwa sechs Monate voraus.

Verbraucher hoffnungsvoll

Auch die deutschen Verbraucher schöpfen seit Mai wieder mehr Hoffnung und rechnen mit einer Erholung der Konjunktur sowie mit Einkommenszuwächsen. Das signalisiert der Konsumklima-Indikator der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Monatlich befragt die GfK im Auftrag der EU-Kommission rund 2 000 Konsumenten. Die GfK erklärt den Optimismus der Verbraucher mit dem geplanten Vorziehen der letzten Stufe der Steuerreform von 2005 auf 2004 und mit dem Kompromiss um die Gesundheitsreform. Nach wie vor beeinträchtigt dagegen die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit die Stimmung der Deutschen. Drei Viertel der Bundesbürger haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, so dass Ergebnis einer aktuellen europaweiten GfK-Studie hervor. In den neuen Bundesländern sorgen sich sogar vier von fünf Befragten um ihren Job.

Quelle: Handelsblatt

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