Der Geldmarkt erwartet eine Zinsanhebung – Viele Experten bleiben skeptisch
Währungshüter sehen wachsende Risiken für die Preisstabilität

Jüngste Äußerungen von Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) deuten darauf hin, dass die Währungshüter inzwischen nicht mehr nur „wachsam“, sondern besorgt sind wegen der Stabilität des Euros.

mak FRANKFURT/M. So erklärte EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing auf die Frage, ob die Euro-Leitzinsen nicht schon längst hätten erhöht werden müssen: „Wir beobachten in der Tat die Preisentwicklung mit Besorgnis.“ Allerdings dürfe der Anstieg der Inflationsrate auf knapp über zwei Prozent nicht falsch eingeschätzt werden. In diesem Jahr gingen allein 0,7 Prozentpunkte auf indirekte Steuern und staatlich verordnete Preise zurück.

Am Geldmarkt ist eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkt) bereits im Dezember eingepreist. Die Commerzbank hält eine Zinserhöhung „in nicht allzu ferner Zukunft für wahrscheinlich“, sollten neue Daten die Einschätzung der EZB bestätigen, dass die konjunkturelle Belebung im Euro-Raum an Breite gewinnt. Sollten die Daten dagegen enttäuschen, werde die EZB bei ihrer abwartenden Haltung bleiben.

Der schärfere Ton, in dem EZB-Chef Jean-Claude Trichet im Anschluss an die Sitzung des EZB-Rates Anfang September vor Risiken für die Preisstabilität gewarnt hatte, ist damit bei den professionellen Marktbeobachtern nur bedingt auf Widerhall gestoßen. Trichet hatte mehrfach betont, dass sich der Grad der Wachsamkeit der Währungshüter gegenüber Inflationsgefahren erhöht habe. Manche Volkswirte hatten daraus den Schluss gezogen, dass der EZB-Präsident die Tür für eine Zinserhöhung geöffnet habe.

Die Zinserwartungen der Marktteilnehmer blieben nach einer neuen Umfrage gegenüber den Vormonaten aber nahezu unverändert. 60,7 Prozent der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in der ersten September- Hälfte befragten 298 Finanzmarktexperten gehen davon aus, dass die Notenbankzinsen im nächsten halben Jahr unverändert auf ihrem historisch niedrigen Niveau von zwei Prozent bleiben werden. 38,6 Prozent der Befragten – nur 2,7 Prozent mehr als im Vormonat – erwarten dagegen eine Zinserhöhung bereits in diesem Zeitraum. Das ZEW erklärt das Umfrageergebnis unter anderem damit, dass die Inflationserwartungen der Befragten zurückgegangen seien.

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