Der neue Chef muss vor allem Vertrauen schaffen
Die schwierige Agenda des Axel Weber

Einen wärmeren Empfang kann man sich kaum wünschen. Axel Weber, der Kandidat der rot-grünen Bundesregierung für den Chefposten der Bundesbank, erntet Lob von allen Seiten. Egal ob Opposition, Verbände oder die Notenbank selbst, alle halten den Wissenschaftler für den idealen Nachfolger des nach der „Adlon-Affäre“ zurückgetretenen Präsidenten Ernst Welteke.

HB FRANKFURT/M. Doch auch Weber hat seine Defizite. Ihm fehlt die Erfahrung als Manager einer riesigen Behörde, und auch das glatte Parkett der internationalen Diplomatie kennt der Wissenschaftler bislang nur aus der Theorie.

„Seine eigentliche Herausforderung wird das Gesundschrumpfen der Bundesbank“, betont Klaus Zimmermann, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Doch als Reformer sei Weber „eine unbekannte Größe“. Seit der Einführung des Euros kämpft die Bundesbank gegen einen schleichenden Bedeutungsverlust. Dabei haben die einstigen Hüter der D-Mark nicht nur die Verantwortung für die Geldpolitik verloren. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) nahm den Notenbankern auch wichtige Aufgaben bei der Bankenaufsicht und der Verwaltung der Bundesschuld weg.

Dennoch lagen die Personalkosten der Mammutbehörde mit ihren rund 15 000 Mitarbeitern 2003 bei 1 Mrd. Euro und damit höher als vor dem Start der Währungsunion 1998. „Kein Wunder, schließlich hat sich die Politik bis 2002 Zeit gelassen, um die Gesetze für einen Umbau der Bundesbank zu verabschieden“, meint ein Mitglied des Personalrats. Doch der Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim sieht noch andere Gründe: „Organisationen sterben nicht, auch wenn ihre Aufgaben wegfallen.“ Die Arbeit werde einfach aufgebläht, bis sie die Zeit füllt.

Tatsächlich kümmert sich die Bundesbank nicht nur um Geldpolitik, Währungsreserven oder Bargeldversorgung, sondern auch um Aktivitäten, die nicht unbedingt zum Kerngeschäft gehören. So verwaltet sie ein milliardenschweres Immobilienimperium, betreibt eine eigene Bauabteilung mit 400 Beschäftigten und bildet ihren Nachwuchs in der hauseigenen Fachhochschule Schloss Hachenburg aus.

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