Der ökonomische Gastkommentar
Die Chancen der offenen Türen

Die Bundesregierung hat sich in der vergangenen Woche auf Schloss Meseberg nur auf zaghafte Schritte in Richtung einer erleichterten Zuwanderung von Fachkräften aus Staaten außerhalb der EU verständigt. Es gibt gute wirtschaftliche Gründe, warum Deutschland die Zuwanderung von Fachkräften wesentlich erleichtern sollte.

Eine gesteuerte Zuwanderung kann angesichts der demografischen Entwicklung, der hohen Arbeitslosigkeit geringer qualifizierter Arbeitskräfte und der Finanzierungsprobleme in der Rentenversicherung dazu beitragen, den materiellen Wohlstand der jetzt in Deutschland lebenden Bevölkerung zu sichern.

Auch wenn es inzwischen eine Binsenweisheit ist: Deutschland wandelt sich zur Wissensgesellschaft. Wissen wird als Produktionsfaktor immer wichtiger. Dabei geht es nicht nur um technisches Wissen im engen Sinn. Es geht auch um betriebswirtschaftliche und kulturelle Kenntnisse, die erforderlich sind, damit deutsche Firmen auf weltweit integrierten Märkten erfolgreich sein können.

Um sich dieses Wissen aneignen und es erfolgreich nutzen zu können, sind Unternehmen auf qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen. Qualifiziert bedeutet nicht nur eine lange formale (Hochschul-)Ausbildung. Vielmehr geht es um vielfältige Kenntnisse und reiche Lebenserfahrung, um Kreativität und Innovationsfähigkeit.

Es wird deutschen Firmen leichter gelingen, Fachkräfte mit dem erforderlichen Qualifikationsprofil zu gewinnen, wenn sie auf einen größeren Bewerber-Pool zugreifen können. Universitäten und Forschungsinstitute suchen heute weltweit nach den bestqualifizierten Wissenschaftlern und dürfen diese in Deutschland beschäftigen. Es gibt keinen überzeugenden Grund, warum dies nicht auch für Firmen auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften gelten sollte.

Solche Fachkräfte sind heute international mobil. Immer mehr Deutsche studieren, wenigstens zeitweise, im Ausland und suchen sich dann weltweit ihren Arbeitsplatz. Gleichzeitig sind an deutschen Hochschulen etwa 250 000 ausländische Studierende eingeschrieben. Viele Studierende aus nichteuropäischen Ländern erwerben hier ihren Hochschulabschluss – bei im internationalen Vergleich immer noch niedrigen Studiengebühren. Von ihnen würden viele vermutlich gerne auch in Deutschland arbeiten.

Die Einkommen und Beschäftigungschancen der geringer qualifizierten, international nicht mobilen Arbeitskräfte in Deutschland hängen heute zunehmend davon ab, ob die heimischen Firmen genügend qualifizierte Fachkräfte gewinnen können. Dabei kommt es nicht darauf an, ob diese Menschen in Deutschland, in der EU oder anderswo geboren sind. Unternehmen, die nicht genügend qualifizierte Fachkräfte finden, werden nicht mehr, sondern weniger andere Arbeitskräfte beschäftigen. Nach Angaben des Vereins deutscher Ingenieure verhindert jede unbesetzte Ingenieurstelle die Schaffung von zwei weiteren Arbeitsplätzen. Da Arbeitslosigkeit in Deutschland überwiegend geringer qualifizierte Arbeitskräfte betrifft, werden diese auch vom aktuellen Aufschwung weniger profitieren, wenn der Mangel an Fachkräften nicht behoben wird.

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