Der ökonomische Gastkommentar
Warum es ohne Kernenergie nicht geht

Pannen in Kraftwerken sollten kein Grund sein, den Klimaschutz und die Versorgungssicherheit zu opfern, sagt Katharina Reiche, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Wegen einer mangelhaften Öffentlichkeitsarbeit lege man keine Kraftwerke still.

Drei Entwicklungen werden die Zukunft maßgeblich beeinflussen. Die Weltbevölkerung wächst von derzeit 6,6 Milliarden auf rund 9,2 Milliarden Menschen. Der Energiebedarf wird weltweit dramatisch steigen, bis zum Jahr 2030 um etwa 50 Prozent. Besonders China und Indien entwickeln einen schier unstillbaren Energiehunger. Die meisten wissenschaftlichen Studien prognostizieren aufgrund des vermehrten Energiebedarfs und des damit verbundenen erhöhten CO2-Ausstoßes eine globale Erderwärmung von mindestens 1,4 Grad in den nächsten 100 Jahren. Andere Szenarien rechnen sogar mit 5,8 Grad.

Schon heute importiert Deutschland 80 Prozent seines Energiebedarfs. Die Importquote von Erdöl liegt bei 96 Prozent und die von Gas bei 83 Prozent. Und diese Abhängigkeit steigt weiter. 2030 wird die Europäische Union mehr als 70 Prozent ihres Energiebedarfs importieren. Das Stilllegen von Kernkraftwerken in Deutschland bedeutet, dass diese vor allem durch Gaskraftwerke ersetzt werden müssen. Das verschärft die Abhängigkeit von russischem Gas: Der „lupenreine Demokrat“ Putin entscheidet über die Wohnzimmertemperatur bei uns.

Rückblickend auf über 50 Jahre deutsche Energiepolitik zeigt sich zudem die Grenze der Planbarkeit von Energiepolitik. Das mahnt zu einer möglichst breiten Diversifizierung der Versorgung. Sowohl auf die Braun- und Steinkohle als auch auf die Kernenergie meint Umweltminister Sigmar Gabriel aber innerhalb kürzester Zeit verzichten zu können. Dies ist gefährlich für die Versorgungssicherheit unseres Landes. Denn Deutschlands Anteil an dem weltweiten Energieverbrauch nimmt beständig ab, von heute fast vier Prozent bis 2030 auf nur noch zwei Prozent. Damit sinkt unser Gewicht, um Einfluss auf die Entwicklung der Märkte nehmen zu können.

Unsere Zukunft erfordert einen ausgewogenen Mix aus Öl, Gas, Steinkohle, Braunkohle, Kernenergie und erneuerbaren Energien. Die Kernkraft in Deutschland liefert über 26 Prozent der gesamten Stromerzeugung. Bei der Grundlast-Stromerzeugung – also dem rund um die Uhr benötigten Sockelbetrag – liegt der Anteil sogar bei über 50 Prozent. Wind- oder Solarenergie sind wichtig, und wir stärken sie. Aber sie sind eben nicht grundlastfähig. Wasserkraft und Biomasse werden den Strombedarf nicht decken können.

Folgte man der SPD, müssten bis 2021 alle 17 deutschen Kernkraftwerke vom Netz und 21 000 Megawatt Leistung ersetzt werden. Aber wodurch? Mit Gaskraftwerken, was die Importabhängigkeit noch erhöht? Durch das Weiterlaufen älterer Kohlekraftwerke mit hohem CO2-Ausstoß?

Allein in Deutschland werden durch die Nutzung der Kernkraft jährlich 150 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Das ist so viel, wie im Straßenverkehr im Jahr freigesetzt wird. Deutschland steht in Europa mit seiner Ausstiegsstrategie zunehmend isoliert da. Einerseits werben und arbeiten wir für verbindliche, ambitionierte Klimaschutzziele in Europa und weltweit. Andererseits beantworten wir die Fragen der Amerikaner, Franzosen und Briten, wie wir denn ohne Kernkraft die CO2-Reduktionsziele erreichen wollen, mit einem Schulterzucken. Das ist unglaubwürdig und schadet uns. In der Schweiz, den Niederlanden, in Belgien, in Finnland und Großbritannien, im Baltikum und Russland – die Kernkraft erlebt eine Renaissance. Russland verkauft uns sein Gas, um sich selbst mit neuen Kernkraftwerken den Strom zu liefern.

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