Der „Rat“ steckt in einem Reformprozess
Wieder weiser, wieder schmaler

Nach seinem peinlichen Zank reformiert sich der Sachverständigenrat – und präsentiert ein Gutachten in neuer Form.

WIESBADEN. Ganz am Ende hat Peter Bofinger die Nostalgie gepackt: „Ich habe kurz vor unseren Umzug noch schnell ein paar Fotos von den alten Räumen gemacht“, erzählt der sonst eher nüchterne Wirtschaftsweise und schwärmt: „Solche Flure, dieses schwarze Linoleum und den Paternoster werden wir nie wieder sehen.“

42 Jahre lang haben die „fünf Weisen“ hier oben, im zwölften Stock des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, Wirtschaftsgeschichte geschrieben – in einem Ambiente der frühen sechziger Jahre: kanariengelbe Gardinen, feldgraue Holztüren, braun furnierte Spanplatten-Schreibtische. Es gehörte nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie der junge Herbert Giersch hier damals den Sekretärinnen seine Appelle für flexible Wechselkurse in die Schreibmaschine diktierte. Oder wie Olaf Sievert und Gerhard Fels ein gutes Jahrzehnt später in langen Nachtsitzungen die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik ersannen.

Aus und vorbei. Zum ersten Mal seit 1963 ist der Sachverständigenrat umgezogen. Weil der Bau der Statistikbehörde asbestverseucht ist und saniert wird, siedelte der „Olymp der Ökonomen“ im August um in einen ebenso modernen wie charakterlosen Zweckbau der späten neunziger Jahre.

Fast neuneinhalb Wochen haben sich dort vier Männer und eine Frau in diesem Herbst eingeschlossen, um ihrem gesetzlichen Auftrag nachzukommen und das 42. Jahresgutachten des Rates zu produzieren. Das Ergebnis, ein Konvolut aus Hunderten von Seiten, werden sie am Mittwoch der Bundesregierung übergeben.

Dieses Mal schlagen sie – so viel ist bereits durchgesickert – eine Steuerreform mit einem Zwei-Stufen-Tarif für Unternehmen vor und sprechen sich vehement gegen eine höhere Mehrwertsteuer aus.

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