Der steile Aufstieg zum Bundesbankchef
Zielstrebiger Marathon-Mann

Manchmal verliert selbst jemand wie Axel Weber die Orientierung. Zum Beispiel an diesem Herbsttag im Jahre 2003, unmittelbar vor der Veröffentlichung des Jahresgutachtens der Wirtschaftsweisen: Nach stundenlanger Sitzung will sich der passionierte Marathonläufer abends noch ein bisschen bewegen – und joggt vom Hotel aus los.

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Nach zwei Stunden und 20 Kilometern hat er sich in den Wiesbadener Wäldern vollständig verlaufen. Weber, ohne Handy unterwegs, hat keine Wahl: Um nach Hause zu finden, muss der 47-Jährige in der Nacht die 20 Kilometer zurücklaufen.

Für Weber kein wirkliches Problem. Sich durchzubeißen, das ist der künftige Bundesbankpräsident gewohnt. Quasi aus dem Nichts hat sich Weber zielstrebig zu einem der führenden deutschen Ökonomen hochgearbeitet. Geboren in der Pfälzer Provinz ging er zum Studium nach Konstanz – eine angelsächsische Elite-Uni hat er als Student nie von innen gesehen, kein Gastsemester im Ausland eingelegt, nicht einmal die Hochschule gewechselt, „Weber ist ein wissenschaftlicher Selfmademann“, sagt sein Doktorvater, der Siegener Professor Hans-Edi Loef. Schon als Student fiel ihm Weber positiv auf. „Er konnte schon damals komplexe Themen ohne große Hilfe bearbeiten.“

Es folgt eine Bilderbuchkarriere, die ihresgleichen sucht: Nach der Summa-cum-laude-Promotion hat Weber schon vor dem Abschluss seiner Habilitation einen Professorenposten in Bonn in der Tasche. Mit nur 44 ereilt ihn 2002 dann der Ritterschlag: Er steigt in den Sachverständigenrat (SVR) auf. Jetzt wird er Chef der Bundesbank – Axel Weber, der Rudi Rakete der Ökonomie.

So steil seine Karriere aber auch war, so unbekannt ist er in der Öffentlichkeit. Nicht ein Interview hat er als Wirtschaftsweiser gegeben. „Weber hat die Ratspositionen nie prominent nach außen vertreten“, heißt es in SVR-Kreisen. Für seinen neuen Job qualifiziert ihn diese Scheu vor der Öffentlichkeit allerdings eher. Schon am Mittwoch, als Finanzminister Hans Eichel ihn in der Bundespressekonferenz präsentiert, zeigt Weber: Er beherrscht die den Notenbankern immanente Rätselhaftigkeit perfekt. Wie unbeteiligt sitzt er da, während Eichel ihn minutenlang in den höchsten Tönen lobt. Und als wäre er bei Alan Greenspan in die Lehre gegangen, entzieht sich Weber Fragen höchst elegant. Als Journalisten wissen wollen, was er davon hält, dass die Bundesbank Theodor Baums zum Ethikberater berufen hat, antwortet er: „Ich kenne Herrn Baums aus Frankfurt. Ich denke, er ist die richtige Person und freue mich auf die Zusammenarbeit.“ Kein Wort zur Sinnhaftigkeit des Postens, keins zum Welteke- Skandal, keins zu seiner Haltung zur SPD. So rätseln die Journalisten nachher: Was meint er mit „Ausbauen der Finanzmarktkompetenz“, was mit „möglichen neuen Projekten“? Wie weit soll die „im Ansatz richtige Verschlankung“ der Bank gehen?

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