Deutlich unter Zielmarke
Billiges Benzin dämpft Inflation

Waren und Dienstleistungen kosteten im September 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das ist etwas weniger als in den Monaten zuvor. Damit entfernt sich die Inflation weiter von den angestrebten zwei Prozent.
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Berlin Der kräftige Preisrückgang bei Kraftstoffen und Heizöl hat die Inflation erneut gedrückt. Im September sank die Jahresteuerung von 1,5 Prozent im Vormonat auf 1,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Binnen Jahresfrist verbilligten sich vor allem leichtes Heizöl (- 5,8 Prozent) und Kraftstoffe (- 6,7 Prozent). Das dämpfte die Gesamtteuerung: Ohne Berücksichtigung der Mineralölpreise hätte die Teuerungsrate bei 1,9 Prozent gelegen.

Mit den neuen Zahlen bestätigten die Statistiker eine Schätzung von Ende September. Im Vergleich zum Vormonat August blieben die Verbraucherpreise unverändert.

Weiter deutlich über der Gesamtteuerung bewegt sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln. Mit plus 4,7 Prozent zum September 2012 zeigt die Tendenz allerdings nach unten. Im August kosteten Lebensmittel noch 4,9 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor, im Juli 5,7 Prozent mehr. Trotzdem sind die Preissprünge etwa bei Kartoffeln mit plus 31 Prozent oder bei Butter mit plus 29 Prozent nach wie vor sehr hoch.

Insgesamt entfernt sich die Inflationsrate in Deutschland aber immer weiter von der Warnschwelle der Europäischen Zentralbank (EZB) - und das, obwohl die Leitzinsen auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent verharren: Die Währungshüter sehen ein stabiles Preisniveau bei Werten von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt.

Im Gegensatz zur günstigen Preisentwicklung bei Mineralölprodukten mussten die Verbraucher im September für Strom (+ 11,5 Prozent) und feste Brennstoffe (plus 6,1 Prozent) erheblich tiefer in die Tasche greifen als vor einem Jahr.

Verbraucherpreise

Inflationsrate in Deutschland

von September 2012 bis September 2013 (gegenüber Vorjahresmonat)


Insgesamt verbilligte sich Energie damit leicht um 0,2 Prozent gegenüber September 2012. Damit hat sich Energie nach früheren Angaben der Statistiker erstmals seit mehr als drei Jahren im Jahresvergleich verbilligt.

Ungeachtet der öffentlichen Debatte um zunehmend unbezahlbaren Wohnraum sind die Nettokaltmieten nach den Zahlen der Statistiker tatsächlich binnen Jahresfrist nur um 1,4 Prozent gestiegen - und damit exakt im gleichen Umfang wie die Verbraucherpreise insgesamt.

„Die Statistik irrt keineswegs. Sie zeichnet nämlich die Entwicklung der Bestandsmieten nach, in denen die durchaus nennenswerte Erhöhung der Neumieten kaum durchschlägt“, erklärt Helaba-Experte Stefan Mitropoulos. Für Nettokaltmieten wenden die privaten Haushalte im Durchschnitt gut ein Fünftel ihrer Konsumausgaben auf.

Verbraucherpreise

Verbraucherpreisindex in Deutschland

Monatswerte bis September 2013


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutlich unter Zielmarke: Billiges Benzin dämpft Inflation"

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  • Luxus wird immer billiger, Nahrungsmittel welche wirklich Alle kaufen müssen dagegen immer teurer.
    Es ist die logische Fortsetzung von Herrn Schröders SPD Agenda: Man rollt den Wohlstand von unten auf und fängt bei den Armen an - weil sich dies am meisten rentiert, denn davon gibt es genug. Und sich so richtig wehren können diese sich auch nicht.
    Erinnern Sie sich der "Peanuts"? Was interessieren Luxusgüter, die Käuferschicht ist zwar extrem reich aber zahlenmäßig unwichtig.
    Und keine Sorge, das Benzin steigt schon wieder...
    Kennen Sie von der Teuerungsdiskussion den statistischen "Virtuellen Warenkorb"? WC Papier geht zu 80% ein, oder?
    Die Masse (der Armen) ist und bleibt noch das lohnendste Objekt der Begierde.

  • Schön, dass einige Menschen einen Preis von EUR 1,50+ pro Liter Benzin schon für "billig" halten...

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