Deutliche Worte von US-Notenbankchef Greenspan
Das Ende des leichten Geldes

Nächste Woche wird US-Notenbankchef Alan Greenspan wohl erstmals seit vier Jahren die Zinsen erhöhen. Die Wirtschaft hat Fahrt aufgenommen, in den vergangenen zwölf Monaten wuchs sie um fast fünf Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich auch der Inflationsdruck - für den gleichen Zeitraum bis Mai um 3,1 Prozent. Zeit für einen Eingriff also. Fünf Manager berichten, was der für Folgen für ihr Geschäft hat.

HB NEW YORK. Seine zweite Ehefrau hat einmal in einem Interview gesagt, ihr Mann spreche auch privat manchmal in Rätseln. Angeblich habe er ihr zweimal einen Heiratsantrag machen müssen, bis ihr klar war, was er eigentlich wollte. Die Rede ist von Alan Greenspan, dem Chairman der mächtigen US-Notenbank Federal Reserve. Greenspan, inzwischen 78 Jahre alt, ist bekannt für seine kryptischen Bemerkungen. Wenn er spricht, lauscht die Welt. Beobachter in aller Herren Länder sind dann damit beschäftigt, seinen oft so unverständlichen „Greenspeak“ zu entschlüsseln.

Anfang des Monats war das nicht nötig. Bei einer Liveschaltung per Satellit hatte sich Greenspan bei einer öffentlichen Diskussion mit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und der japanischen Notenbank ungewohnt deutlich geäußert: Für den Fall einer unerwartet stark aufziehenden Inflation sei auch eine Zinserhöhung nicht ausgeschlossen. Spätestens seit diesem Moment vermuten Experten, dass die Fed bei ihrer Sitzung in der nächsten Woche den Leitzins von 1,0 Prozent auf 1,25 Prozent anheben wird. Es wäre die erste Zinserhöhung in den USA seit vier Jahren, verbunden mit der Botschaft: Die Ära des billigen Geldes ist vorerst wohl vorüber.

Knapp fünf Prozent Wachstum in zwölf Monaten

Tatsächlich sind Kredite in den USA seit 2001 so günstig wie seit den 50er-Jahren nicht mehr. Die Kombination von lockerer Geldpolitik, hohen Steuersenkungen und explodierenden Staatsausgaben vor allem für das Militär hat nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 die US-Wirtschaft unter Dampf gehalten. Sie hat einen noch nie gekannten Sog von Importen aus Billiglohnländern, vor allem aus China, ausgelöst. Das hat den Preisauftrieb in den USA niedrig gehalten und die Entwicklungsländer am Aufschwung beteiligt. Aber es hat auch massive Schieflagen aufgebaut. Die Defizite in Handels- und Zahlungsbilanz sowie im Staatshaushalt erreichen Rekordhöhen. Billiges Kapital ließ Immobilienpreise und Aktienkurse in die Höhe schießen. Der gefeierte Anleihefondsmanager Bill Gross, der als Chefstratege des Fondshauses Pimco fast 400 Milliarden Dollar betreut, schimpft: „Die allzu lockere Politik des billigen Geldes hat dazu geführt, dass vor allem bei den Häuserpreisen immer noch eine riesige Spekulationsblase vorhanden ist.“

Jetzt hat die Wirtschaft zusätzlich Fahrt aufgenommen, in den vergangenen zwölf Monaten wuchs sie um fast fünf Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich auch der Inflationsdruck, und zwar für den gleichen Zeitraum bis Mai um 3,1 Prozent – Zeit für einen Eingriff also. Mehr als eine Erhöhung um 25 Basispunkte wäre allerdings eine Überraschung, denn schließlich ist Wahljahr, und der gerade erst zur fünften Amtszeit eingeschworene Fed-Chef wird seinen Parteifreund George W. Bush nicht verärgern wollen. Dass die Zinsen nach den Wahlen weiter steigen, bezweifelt kaum jemand, das zeigt auch der Federal Funds Rates Future, der Index für die Zinserwartungen.

Seite 1:

Das Ende des leichten Geldes

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%