Deutliches Signal
EZB kündigt Zinserhöhung an

Deutlicher geht es bei Notenbankern nicht: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat am Freitag umständlich, aber auch unmissverständlich eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank angekündigt. Die Worte haben Analysten überrascht.

HB FRANKFURT AM MAIN. "Nach zweieinhalb Jahren mit anhaltend ausgesprochen niedrigen Zinsen, denke ich, dass der Rat bereit ist, die Entscheidung zu treffen, die Zinsen zu ändern und das gegenwärtige Zinsniveau leicht anzuheben", erklärte Trichet überraschend auf dem Europäischen Bankenkongress in Frankfurt an. Diese Zinsänderung sei dazu da, um die Preisstabilität aufrecht zu erhalten und damit zu Wachstum und Beschäftigung im Euro-Raum beizutragen.

An den Finanzmärkten wurde spekuliert, dass die EZB bereits bei ihrer nächsten Ratssitzung am 1. Dezember den Leitzins von zwei Prozent anheben könnte. Einige Ökonomen hatten mit einer Anhebung der Leitzinsen zu diesem Zeitpunkt gerechnet, andere erwarteten jedoch erst 2006 eine Erhöhung. Trichet hatte sich bisher mit eindeutigen Aussagen zurückgehalten und stets die Umschreibungen der Notenbanker genutzt. Zuletzt war von „großer Wachsamkeit“ der EZB mit Blick auf die gestiegenen Inflationsrisiken die Rede. Nun hat Trichet jedoch ein deutliches Signal gegeben. An den Finanzmärkten reagierten Anleihen mit deutlichen Kursverlusten.

Analysten sagten zu den Äußerungen Trichets in ersten Reaktionen:

Marc Ostwald, Monument Securities: „Er hätte genau so gut sagen können: „Wir werden am 1. Dezember die Zinsen um 25 Basispunkte erhöhen'. Ziemlich eindeutig, ein klares Signal. Dies bedeutet, dass die Märkte jetzt wissen wollen, was Trichet zu darauf folgenden Zinserhöhungen sagt.“

Niels Christensen, Societe Generale: „Trichet signalisiert eine Zinserhöhung im Dezember. Die EZB ist sich der hohen Markterwartungen sehr bewusst - wenn sie also unsicher wären, was sie am 1. Dezember machen, dann würden sie gemischte Signale senden. Das ist aber ein eindeutiges Signal. Ich bewerte das so, dass Trichet die Märkte lenkt. Sonst würde es einen riesigen Krach geben, wenn sie die Zinsen nicht verändern. Trichet ist zu weise, um die Märkte so zu verwirren.“

Rainer Guntermann, Dresdner Kleinwort Wasserstein:

„Er hat über ein anderes Thema geredet und dann ganz bewusst die Geldpolitik angesprochen. Es wäre eine Riesenüberraschung, wenn sie nach diesen Äußerungen im Dezember nicht erhöhen. Wir hatten gestern das Ratstreffen und es scheint, dass jetzt völlige Einigkeit über eine Zinserhöhung im Dezember herrscht. Wenn es keine Zinserhöhung gibt, würde das Herrn Trichet nicht gut aussehen lassen. Vor eine paar Tagen hat er gesagt, die Märkte sollen ihm zuhören - deshalb hat jeder darauf gewartet, dass er etwas von der Unsicherheit zwischen den Äußerungen der Falken und Tauben aus dem Weg räumen würde. Dies hat er offenbar heute auf eine Art getan, die im Dezember eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte erwarten lässt.“

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