Deutsche Konjunktur
Dienstleister bleiben wichtige Säule

Dass wichtige wirtschaftsbezogene Dienstleistungsbranchen Schwächephasen in Industrie, Bauwirtschaft und Handwerk zumindest teilweise ausgleichen können, belegen erste Zahlen für 2005, die die Statistiker am Montag vorlegten. Die Dienstleistungsbranchen schnitten wesentlich besser ab als die Gesamtwirtschaft.

ari DÜSSELDORF. Das reale Bruttoinlandsprodukt war 2005 zum Vorjahr nur um 0,9 Prozent gestiegen und die Beschäftigung in der gesamten Wirtschaft damals gesunken. Demgegenüber kletterte der Umsatz der vom Statistischen Bundesamt anhand einer Stichprobe erfassten rund 680 000 Dienstleistungsunternehmen damals um 7,1 Prozent auf fast 700 Mrd. Euro. Die Zahl der in diesem Bereich Beschäftigten stieg um 3,5 Prozent oder um gut 200 000 Personen auf mehr als sechs Millionen Mitarbeiter.

Am stärksten erhöhte sich der Umsatz mit plus 8,8 Prozent auf knapp 189 Mrd. Euro im Bereich Verkehr, der unter anderem auch die Luftfahrt umfasst und insgesamt 1,3 Millionen Menschen beschäftigte. Im Teilbereich unternehmensnahe Dienstleistungen, zu denen unter anderem Anwaltskanzleien, Steuerberater, Architekten, Reinigungsfirmen, aber auch Inkassobüros gehören, waren knapp 3,2 Millionen Personen tätig und damit mehr als die Hälfte aller mit dieser Erhebung erfassten Beschäftigten. Der Umsatz in diesem heterogenen Bereich, der besonders viele Freiberufler umfasst, stieg um 7,8 Prozent auf 206 Mrd. Euro.

Unterdurchschnittlich nahm der Umsatz bei den in der Rubrik Nachrichtenübermittlung eingruppierten Post- und Kurierdienstleistern sowie den Fernmeldediensten zu. Er stieg um 3,7 Prozent auf 105,4 Mrd. Euro. Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich hier um 2,5% auf 625 850 Personen. Im Bereich Datenbanken und Datenverarbeitung erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten um 6,7 Prozent auf knapp 396 000 und damit stärker als der Umsatz, der um 5,3 Prozent auf 61,6 Mrd. Euro zulegte. Wie das Statistische Bundesamt ergänzend mitteilt, resultierten 62 Prozent des Umsatzes, der im IT-Bereich erwirtschaftet wurde, aus Entwickeln und Verlegen von Software, Softwareberatung sowie die Entwicklung und Programmierung von Internetpräsentationen.

Zu den weiteren Dienstleistungsbranchen, die der Strukturerhebung unterliegen, gehören das Grundstücks- und Wohnungswesen, die Vermietung von Maschinen und Fahrzeugen sowie Forschung und Entwicklung. Für die Erhebung 2005 wurden insgesamt 178 500 Unternehmen befragt, das waren knapp 15 Prozent der im Unternehmensregister erfassten Unternehmen. Die Zahl der mit der Strukturerhebung abgedeckten Unternehmen war 2005 mit rund 680 000 um rund 83 000 höher als nach der Erhebung für das Jahr 2001. Die Zahl der Beschäftigten dürfte seither um gut eine halbe Million und der erzielte Umsatz um knapp 75 Mrd. Euro gestiegen sein. Der gesamte Bereich ist immer noch sehr mittelständisch geprägt. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass bei 73 Prozent der Unternehmen der Jahresumsatz unter 250 000 Euro liegt.

Die Strukturerhebungen sollen Datenlücken im heterogenen deutschen Dienstleistungssektor schließen helfen und fließen auch in die Statistik der Europäischen Union ein. Dabei geht es neben Umsatz- und Beschäftigtenentwicklung unter anderem um Investitionen, Personal- und Sachaufwendungen. Die Ergebnisse werden außerdem genutzt, um die service-bezogenen Wertschöpfungsberechnungen in den Volkwirtschaftlichen Gesamtrechnungen zu verbessern.

Die Erhebungen wurden erst durch das im Dezember 2000 beschlossene Dienstleistungsstatistikgesetz möglich, mit dem eine EU-Verordnung über eine strukturelle Unternehmensstatistik aus dem Jahr 1996 umgesetzt wurde. Die Umsetzung in Deutschland hatte sich verzögert, weil sich gegen den mit der Erhebung verbundenen Aufwand für die Unternehmen massiver politischer Widerstand gebildet hatte. Im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens war deswegen damals die Höhe der Stichprobe der zu befragenden Unternehmen und Freiberufler auf maximal 15 Prozent gesenkt worden.

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