Deutsche Unternehmen verlieren Zuversicht
Angesteckt vom Subprime-Virus

Finanzmarktkrise, Rekordmarken bei Euro und Ölpreis – für die deutsche Wirtschaft kein Problem? Offenbar doch. Der aktuelle Ifo-Geschäftsklimaindex zeigt: Die Hiobsbotschaften schlagen auf die Stimmung in den deutschen Unternehmen durch. Nun wird klarer, was die kommenden Monate bringen.

cot DÜSSELDORF. Die Finanzkrise drückt auf die Stimmung der deutschen Unternehmen. Der Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Institutes ist im April überraschend deutlich gesunken – auf 102,4 Punkte und damit auf den schlechtesten Wert seit über zwei Jahren. Analysten zeigten sich überrascht und die Börse rutschte zeitweise kräftig ins Minus. Das zeigt: Die deutsche Konjunktur ist doch nicht unverwundbar.

„Die bremsenden Einflüsse, die seit Mitte 2007 sichtbar waren, haben wieder die Oberhand gewonnen“, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. „Nach dem Zwischenhoch zu Jahresanfang 2008 sprechen die neuen Umfrageergebnisse für eine langsamere Gangart der Konjunktur.“

Nicht nur der Ifo-Index sendet Warnsignale. Auch andere Konjunkturdaten sind schlechter ausgefallen als erwartet. Die Industrie in der Euro-Zone wies mit 50,8 Zählern das geringste Wachstum seit August 2005 auf, zeigte erst gestern der RBS/NTC-Einkaufsmanagerindex.

Wie groß die Unsicherheit ist, lässt sich zudem an der Diskrepanz der Konjunkturprognosen ablesen. Für Deutschland etwa reichen die Schätzungen für das Wirtschaftswachstum in 2008 von 1,3 Prozent, die das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sowie das Hamburgische Weltwirtschafts-Institut (HWWI) vorhersehen, bis zu 2,1 Prozent, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren in ihrem Frühjahrsgutachten einen BIP-Anstieg von 1,8 Prozent. Und die Bundesregierung bleibt in ihrer heute veröffentlichten Frühjahrsprognose bei einem erwarteten Wachstum von 1,7 Prozent.

Die Resistenz verloren

Die Subprime-Krise wirbelt die Weltwirtschaft durcheinander und auch Deutschland kann sich den Auswirkungen nicht entziehen. Hauptverantwortlich für die Turbulenzen sind die Finanzinstitute. Wegen der Finanzkrise mussten zahlreiche Banken – vor allem in den USA, der Schweiz und Deutschland – zuletzt Milliarden abschreiben. Das geht auf faule Kredite im US-Hypothekengeschäft sowie den teils drastischen Wertverfall von Wertpapieren zurück.

Doch nicht nur die Geldhäuser sind betroffen. Auch andere Branchen werden entgegen früherer Erwartungen vom Krisen-Virus angesteckt. Die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen müssen im ersten Quartal mit Einbußen beim Nettogewinn von durchschnittlich knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr rechnen, zeichnet sich nach Prognosen der Unternehmen und Berechnungen des Handelsblatts in Zusammenarbeit mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ab.

Seit Januar revidieren Analysten der großen Investmenthäuser die Gewinnschätzungen für die Dax-Konzerne dramatisch nach unten. Gingen die Experten anfangs von einem Jahresplus von 13 Prozent aus, so ergibt sich nach Angaben des Finanzdatenspezialisten Ibes nun eine rote Null. Erstmals seit 2001 könnten die Firmengewinne sinken. Dabei hatten sich die deutschen deutschen Firmen in den vergangenen Monaten noch überraschend resistent gegen die Finanzkrise gezeigt.

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