Deutsche Verbraucher
Krisen sorgen für Verunsicherung

Die Bilder aus dem Irak und Syrien machen betroffen, den Verbrauchern machen sie Angst: Wie wirken die Krisen auf die deutsche Wirtschaft? Entscheidend für die Konsumstimmung sind die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.
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Nürnberg/BerlinInwieweit sich die internationalen Krisen auf die Verbraucherstimmung hierzulande niederschlagen werden, hängt nach Einschätzung von Konsumexperten vor allem vom Verhalten der Firmen ab. „Wenn die Unternehmen ihre Beschäftigungspolitik stabil halten, dürften die Auswirkungen auf das Konsumklima überschaubar bleiben“, sagte Rolf Bürkl vom Marktforschungsunternehmen GfK der Nachrichtenagentur dpa in Nürnberg. „Wenn die Unternehmen wegen der Verunsicherung mit Investitionen vorsichtiger werden und auch keine Stellen mehr schaffen, wird das zu einem Problem für das Konsumklima. Dann müssten wir auch mit stärkeren Rückgängen rechnen.“

Die Stimmung der Verbraucher trübt sich so stark ein wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr, prognostizieren die Nürnberger Marktforscher der GfK in ihrem am Mittwoch vorgelegten Barometer. Der Index für das Konsumklima im September verschlechtert sich demnach um 0,3 auf 8,6 Zähler.

Der private Verbrauch ist in Deutschland für knapp 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich - entsprechend wichtig ist ein gutes Konsumklima für die Konjunktur. Für die Verbraucherstimmung generell verheerend sei jedoch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, erläuterte Bürkl. Mit Blick auf die Sanktionsspirale mit Russland und die davon betroffenen deutschen Unternehmen schilderte er: „Da kommen schnell Befürchtungen hoch, weil einzelne Fälle verallgemeinert werden.“ Insgesamt träfen die Sanktionen die deutsche Wirtschaft bislang aber nur im geringen Maße.

Allerdings hatten zuletzt Berichte, die die künftige Wirtschaftsentwicklung zurückhaltender beurteilten, zugenommen. Auch die Erholung der Weltwirtschaft wird wohl langsamer voranschreiten als gedacht. „Gerade die Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung ist sehr stark von dem Bild abhängig, das in den Medien gezeichnet wird“, erläuterte Bürkl die Verbrauchersicht. Entsprechend wird die Konsumstimmung derzeit auch von der ausgeweiteten Berichterstattung über die internationalen Krisenherde beeinflusst. „Die Informationen, die auf die Konsumenten eindringen, spielen sicher eine Rolle“, betonte Bürkl. Zumal insbesondere die Bewertung der konjunkturellen Lage nur zum Teil von Fakten bestimmt sei. „Das ist durch Emotionen, Angst und Verunsicherung getrieben.“

Nun sorgen laut GfK die Eskalation der Situation im Irak, in Israel, der Ukraine sowie die sich schneller drehende Sanktionsspirale mit Russland für Verunsicherung: „Das hat die bislang überaus optimistischen Konjunkturaussichten der Bundesbürger negativ beeinflusst.“ Sie beziehen die verschärfte geopolitische Lage stärker in ihre Beurteilung ein, wie die heimische Konjunktur laufen wird. Das entsprechende Barometer verliert 35,5 Punkte und sackt auf 10,4 Zähler ab. Einen solchen Einbruch gab es laut GfK seit Beginn der Verbraucherumfrage 1980 noch nicht. Bislang wirken sich die Konjunktursorgen der Bürger jedoch kaum auf ihre Neigung zum Kauf teurer Güter aus. Sie orientieren sich eher am stabilen Arbeitsmarkt als an den weltwirtschaftlichen Turbulenzen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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