Deutsche Wirtschaft
Finanzprofis malen rosige Aussichten

Der Winter hat den deutschen Aufschwung teilweise auf Eis gelegt. Das bringt den Konjunkturmotor aber längst nicht zum Stottern. Im Gegenteil: Börsenprofis trauen der Wirtschaft hierzulande auch in diesem Jahr ein kräftiges Wachstum zu.
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Mannheim/Wiesbaden. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen in den kommenden sechs Monaten stieg im Februar um 0,3 auf 15,7 Punkte, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter etwa 270 professionellen Anlegern und Analysten mit. Von Reuters befragte Experten hatten allerdings mit 20,0 Punkten gerechnet. Damit liegt das Barometer aber weiterhin unter seinem langjährigen Durchschnitt von 26,7 Punkten. Positiv bewerteten die Fachleute vor allem die steigende Kapazitätsauslastung der Unternehmen.

Die Lage beurteilten die Börsenprofis besser als noch im Januar, das Barometer stieg um 2,4 auf 85,2 Punkte. Experten halten nach dem starken Wachstum im vergangenen Jahr auch für 2011 einen kräftigen Zuwachs für möglich. Viele Banken-Volkswirte rechnen mit einem Plus von 2,5 bis drei Prozent, und auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle bezeichnete die Regierungsprognose von plus 2,3 Prozent zuletzt als zu zurückhaltend.

Zuvor hatte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden sich zur Wachstumsentwicklung im vergangenen Jahr geäußert. Der harte Winter hat den Aufschwung in Deutschland demnach zum Jahresende kurzzeitig gebremst. Mit einem preis-, saison- und kalenderbereinigten Wachstum von 0,4 Prozent zum Vorquartal waren die Monate Oktober, November und Dezember das schwächste Vierteljahr 2010.

Dennoch bleibt der Trend positiv: In allen Quartalen lag die Wirtschaftsleistung deutlich über dem Niveau des Krisenjahres 2009, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Im letzten Vierteljahr 2010 stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum vierten Quartal 2009 um 4,0 Prozent. Für das Gesamtjahr 2010 bestätigten die Statistiker ein Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent (kalenderbereinigt: 3,5 Prozent). Damit arbeitete sich Deutschland im Rekordtempo aus der Krise: 2009 war die Wirtschaftsleistung um 4,7 Prozent abgestürzt.

Positive Impulse kamen im Schlussquartal nach Angaben des Bundesamt vor allem vom Außenhandel. Zudem trugen Investitionen der Unternehmen in Maschinen und Ausrüstung sowie der Konsum zum Wachstum bei. Der witterungsbedingte Rückgang vor allem der Bauinvestitionen konnte so ausgeglichen werden. Anfang 2011 dürfte der Aufschwung nach Einschätzung von Volkswirten wieder deutlich an Fahrt gewonnen haben - vor allem dank eines guten Konsumklimas. Experten trauen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ein Plus von real um 2,5 Prozent zu.

Die Statistiker rechneten vor: Würde das Wachstum im gesamten Jahr 2011 auf dem Niveau des Schlussquartals 2010 verharren, ergäbe sich für 2011 eine Wachstumsrate von 1,2 Prozent (statistischer Überhang).

In einer ersten Schätzung im Januar war die Behörde von rund 0,5 Prozent Wachstum für das vierte Quartal ausgegangen. Im dritten Quartal hatte es noch ein Plus von 0,7 Prozent gegeben. Auch im zweiten (revidiert plus 2,2 Prozent) und im ersten Vierteljahr 2010 (plus 0,6 Prozent) lief es besser. Die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal wurde von 41,0 Millionen Erwerbstätigen erbracht. Das waren 422 000 Menschen oder 1,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Detaillierte Ergebnisse für das vierte Quartal will das Bundesamt am 24. Februar veröffentlichen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • „Börsenprofis glauben wegen guten Aussichten für Konsum und Investitionen an eine Fortsetzung des deutschen Aufschwungs in diesem Jahr“?

    Fast zinslose Milliarden und Billionen der Zentralbanken werden entgegen den vertraglichen Vereinbarungen nicht dazu verwendet, die Wirtschaft anzukurbeln und mit Krediten zu versorgen, sondern für hochriskante Geschäfte im Eigenhandel und zum Spekulieren an den Börsen.

    Deutsche Firmen sitzen auf über 1 Bio. € Verlustvorträgen, die die Steuerprognosen wieder auf den Boden der Tatsachen führen sollten. Mindestens 200 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen bereiten nicht nur Schäuble Kopfschmerzen.
    Dazu kommt, dass es mit unserem „Dauer-Boom auf Pump“ langsam aber sicher zu Ende geht.

    2011 erlahmt der Asienboom:
    Die Konjunktur des Kontinents droht sich deutlich abzukühlen und damit den Aufschwung in Deutschland massiv zu schwächen. Experten rechnen nur noch mit halb so viel Wachstum in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. Gleichzeitig haben viele Regierungen angefangen, ihre Konjunkturprogramme zurückzufahren, denen wir unseren „Aufschwung zu verdanken hatten“.

    Die meisten Schulden zur Belebung der Konjunktur und Rettung der Bankster sind in den Schattenhaushalten versteckt.
    http://www.siggi40.magix.net/public/Fotos/Staatsschulden_2.jpg

    Zwei Jahre lang wurde das Armageddon mit über 30 Bio. Dollar hinausgeschoben. Jetzt sind die Retter pleite, die mit wegbrechenden Steuereinnahmen auch noch die Annuität für die gigantische Verschuldung aufbringen müssen. Die derzeitige Situation ist um ein vielfaches schlimmer, als noch vor zwei Jahren. Der Boom ging genau so lange, wie die Zentralbanken jeden Tag immer neue Milliarden und Billionen drucken. Wo das endet wissen noch unsere Eltern und Großeltern. Die haben es LIVE erlebt.

    Unser erträumter Aufschwung – eine Fata Morgana.

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