Deutsche Wirtschaft koppelt sich ab
Robuste Teutonen

Die deutsche Wirtschaft präsentiert sich derzeit trotz der internationalen Finanzkrise erstaunlich robust und hat sich damit von fast allen anderen Ländern abgekoppelt. Die Firmen investieren unverdrossen auch im Ausland. Die weiteren Perspektiven sind jedoch nicht mehr so rosig.

HB BERLIN. Forscher und Verbände kommen zu übereinstimmenden Ergebnissen: Die deutsche Wirtschaft hat sich im März vom Abwärtstrend in den anderen Euro-Ländern abgekoppelt. Unbeeindruckt von weltweiter Finanzkrise und schwächeren Wachstumsprognosen will die deutsche Wirtschaft zudem im Ausland weiter kräftig investieren. Allerdings dürfte sich die Stimmung der deutschen Firmen aktuell leicht eingetrübt haben. Entsprechend dürfte kommende Woche der Ifo-Geschäftsklimaindex ausfallen, vermuten Beobachter.

Zunächst jedoch berichten sowohl die Industrie als auch die Dienstleister von besseren Geschäften, wie das Forschungsinstitut NTC zu seiner Umfrage unter mehr als 600 Unternehmen mitteilte. Trotz Finanzkrise und starkem Euro schaffte die Industrie dabei das stärkste Auftragsplus seit August 2007 und schuf so viele neue Arbeitsplätze wie seit Jahren nicht mehr. Die Dienstleister verzeichneten das beste Neugeschäft seit einem halben Jahr, stellten aber so wenig neue Mitarbeiter ein wie seit anderthalb Jahren nicht mehr.

Dagegen bremste die Finanzkrise die Wirtschaft im Euro-Raum. Dort verzeichneten sowohl die Industrie als auch die Dienstleister ein geringeres Wachstum als im Februar. Der RBS/NTC-Composite-Index, der beide Sektoren zusammenfasst, sank ersten Berechnungen zufolge unerwartet deutlich von 52,8 auf 51,9 Punkte. Das war der zweitschwächste Wert in den vergangenen drei Jahren. Dennoch blieb der Index über der Marke von 50 Punkten, die ein Wachstum signalisiert.

Der deutsche Index zeigt hingegen mit 53,2 Punkten ein höheres Tempo an. „Wir sehen hier eine erstaunliche Abkopplung von fast allen anderen Ländern“, sagte Volkswirt Alexander Koch von UniCredit. „In Frankreich, Spanien und Italien lief es zuletzt deutlich schlechter.“

Ökonomen zufolge deuten die Daten darauf hin, dass sich der deutsche Aufschwung zu Jahresbeginn fortgesetzt hat. „Wir haben ein starkes erstes Quartal gesehen“, sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. Von einer Krise könne noch keine Rede sein, weil die Wirtschaft den Schwung aus dem vergangenen Jahr mitgenommen habe und von hohen Auftragsbeständen lebe. Doch werde sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten abkühlen. „Mit der Finanzkrise, der US-Konjunkturschwäche, dem starken Euro und hohen Energiepreisen gibt es viel Gegenwind“, sagte Scheuerle.

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