Deutsche Wirtschaftsleistung von April bis Juni erneut geschrumpft – Ökonomen erwarten keinen schnellen Aufschwung
DIW schreibt auch das zweite Quartal ab

Die Talfahrt der deutschen Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal offenbar ungebremst fortgesetzt. Zwischen April und Juni sei das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wie schon zu Jahresbeginn um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal geschrumpft, schreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem gestern veröffentlichten Wochenbericht.

ost DÜSSELDORF. Auch für den weiteren Jahresverlauf blieben die Berliner Wirtschaftsforscher skeptisch: „Im dritten Quartal wird sich das Tempo der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung kaum beschleunigen“, heißt es in dem Bericht. Überraschend positive Zahlen zum Auftragseingang in der Industrie nährten gestern allerdings zugleich Hoffnungen auf einen baldigen Aufschwung.

Im zweiten Quartal dagegen waren „Aufschwungstendenzen nicht erkennbar“, betont das DIW. Im Jahresvergleich habe sich der Abwärtssog sogar deutlich beschleunigt: Die Wirtschaft sei im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,6 % geschrumpft – zu Jahresbeginn gab es noch ein Plus von 0,5 %.

Die zweite deutsche Rezession innerhalb von nur eineinhalb Jahren dauert nach der DIW-Schätzung bis zur Jahreshälfte an – Deutschland habe zwischen April und Juni das dritte Rezessionsquartal in Folge erlebt. Volkswirte sprechen von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung gegenüber den Vorquartal mindestens zweimal in Folge geschrumpft ist. Im vierten Quartal 2002 war die Wirtschaftsleistung um 0,03 % geschrumpft, zu Jahresbeginn war das BIP unerwartet um 0,2 % zurück gegangen.

Erste offizielle Zahlen zur Entwicklung des Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal veröffentlicht das Statistische Bundesamt am kommenden Donnerstag. Sollte sich die DIW-Schätzung bestätigen, wäre dies eine kalte Dusche für alle optimistischen Volkswirte. Nach den positiven Stimmungsindikatoren hatten zahlreiche Experten damit gerechnet, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal auf der Stelle trat oder sogar schon wieder minimal zulegte. Gernot Nerb, Konjunktur-Experte des Münchener Ifo-Instituts, hatte bereits Ende Juni ein weiteres Schrumpfen der Wirtschaftsleistung für „sehr unwahrscheinlich“ erklärt, nachdem der Ifo-Geschäftsklimaindex das zweite Mal in Folge gestiegen war. Die Bundesbank hatte in ihrem jüngsten Monatsbericht prognostiziert, das BIP habe im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum stagniert.

Doch die deutsche Wirtschaft kam im zweiten Quartal offenbar gleich von zwei Seiten unter starken Druck, betont das DIW: Zum einen fehle es der Binnenwirtschaft an Fahrt, zum anderen schwächele zunehmend auch das Exportgeschäft – wegen des Höhenflugs des Euros und weil die Konjunkturschwäche immer stärker auch Deutschlands Handelspartner in Europa erfasse.

Zum ersten Mal seit zwei Jahren dürften die deutschen Ausfuhren daher zurückgegangen sein. Das DIW prognostiziert ein leichtes Minus von 0,3 % gegenüber dem Vorquartal. Zu Jahresbeginn waren die Ausfuhren noch um 0,7 % gewachsen. Bei den Einfuhren rechnen die Berliner Forscher nach einem unerwartet hohen Plus im ersten Quartal nun mit Stagnation. „Der Außenbeitrag fiel nochmals geringer aus als im Vorquartal“, schreibt das DIW. Die Kombination aus schwacher Binnennachfrage und bröckelnden Ausfuhren sei „Besorgnis erregend“, warnen die Forscher. Schließlich war das minimale Wirtschaftswachstum von 0,2 % im vergangenen Jahr ausschließlich dem Außenhandel zu verdanken – die Binnenwirtschaft war 2002 bereits auf Schrumpfkurs.

Und die Binnennachfrage stockt weiter: Die Ausgaben für den privaten Konsum sind laut DIW um 0,2 % geschrumpft – die Konsumenten hätten zeitverzögert auf den Kaufkraft- Entzug durch die zu Jahresbeginn gestiegenen Sozialabgaben reagiert. Zunächst waren die Konsumausgaben unerwartet gestiegen – dies habe sich aber nur als „Zwischenhoch“ entpuppt. Einziger vorsichtiger Lichtblick: Die Talfahrt bei den Investitionen ist offenbar zu Ende, die Ausrüstungsinvestitionen stagnierten das zweite Quartal in Folge. Zumindest auf diesem Feld „scheinen die rezessiven Tendenzen überwunden zu sein“ , so das DIW.

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