Deutscher Arbeitsmarkt
Weniger Arbeitslose, mehr Entlassungen

Gute Zahlen vom Arbeitsmarkt, gute Konjunktur, gute Unternehmenszahlen – die deutsche Wirtschaft hat weiter Schwung. Trotzdem entlassen immer mehr Konzerne massiv Mitarbeiter. Wie passt das zusammen?

HB BERLIN. Die Schlagzeilen sind - zumindest auf den ersten Blick - Besorgnis erregend. BMW will in Deutschland zur Steigerung des Ergebnisses 5000 Stellen streichen. Henkel stellt weltweit rund 3000 Arbeitsplätze zur Disposition. Siemens baut 6800 Arbeitsplätze ab und Handy-Weltmarktführer Nokia wird seine Produktionsanlagen in Deutschland im Sommer stilllegen.

Doch warnen Konjunkturexperten davor, dies als Zeichen für eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt misszuverstehen. „Über den Arbeitsplatzabbau wird berichtet, aber nicht über den Stellenaufbau, weil der meist breit gestreut ist und in kleinen Portionen erfolgt“, meinte Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI).

Auch wenn derzeit der Verlust von rund 20 000 Arbeitsplätzen im Raum steht, relativiere sich diese Zahl, wenn man sie in den größeren Zusammenhang stellt. Allein 2007 seien in Deutschland im Jahresdurchschnitt knapp 600 000 Arbeitsplätze entstanden, betont Döhrn. Natürlich könnten die Entlassungen regional zu beträchtlichen Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt führen. Doch träfen die freigesetzten Arbeitnehmer derzeit noch auf ein relativ günstiges Umfeld. Nach wie vor suchten viele Unternehmen dringend Fachkräfte.

Dazu passen auch die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Februar auf 3,617 Millionen zurückgegangen. Auch unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Effekte sei die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt um 75 000 gefallen. Der Arbeitsmarkt entwickelte sich damit besser als für die Jahreszeit üblich.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sagte zu den angekündigten Jobverlusten: „Der Verlust ihrer Arbeit ist sicherlich für die Betroffenen ein harter Schlag. Den Arbeitsmarkt insgesamt dürfte der Stellenabbau wegen der derzeit guten Lage aber nicht belasten.“ Der Stellenabbau bei einigen Großunternehmen sei immer noch kleiner als der unspektakuläre Aufbau an Beschäftigung in kleinen und mittleren Betrieben.

Dass es gerade jetzt vermehrt zu Ankündigungen von Stellenstreichungen kommt, verwundert Experten wie Döhrn nicht. Hier spiegelten sich die gedämpften Konjunkturerwartungen. „Anpassungsprozesse laufen typischerweise ab, wenn die Wirtschaft etwas schwächer wird“, sagte Döhrn. In Boomphasen erhalte man die Belegschaften eher aufrecht, um Wachstumsspielräume zu sichern.

IW-Direktor Michael Hüther erklärte in der „Bild“-Zeitung, der Personalabbau bei mehreren Dax-Konzernen sei erforderlich, weil der starke Euro deutsche Produkte auf dem Weltmarkt immer teurer mache. „Deshalb stehen exportabhängige Firmen wie BMW oder Henkel unter Kostendruck. Sie müssen jetzt sparen, um nicht später sanieren zu müssen“, wird Hüther zitiert.

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