Deutsches Wachstum
Nachfrage im Inland soll 2012 zulegen

Die Binnennachfrage soll das Wachstum in Deutschland im laufenden Jahr antreiben. Das IW Köln rechnet für 2012 mit einem Konjunkturplus von 1,25 Prozent. Auch die Beschäftigung wird nach Schätzung des IW weiter zulegen.
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BerlinDas arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gibt sich optimistisch für die Konjunktur im laufenden Jahr und setzt dabei voll auf die Nachfrage aus dem Inland. 2012 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,25 Prozent zulegen, im kommenden Jahr um 2,0 Prozent, sagte IW-Geschäftsführer Michael Hüther am Montag bei der Vorlage der Frühjahrsprognose in Berlin. Die führenden Forschungsinstitute hatten in ihrer Vorhersage in der vergangenen Woche die Wachstumserwartung auf lediglich 0,9 Prozent angehoben.

„Die Sorgen, die es im Herbst 2011 gab, haben sich Gott sei Dank nicht manifestiert“, sagte Hüther. So könne die Wirtschaft hierzulande - anders als im Rest der Eurozone - auch in diesem Jahr wachsen. Dabei werde das Plus komplett in Deutschland erwirtschaftet. „Wir haben einen kräftigen Wechsel hin zur Inlandsnachfrage“, sagte Hüther. Der Export wachse dagegen genauso stark wie der Import und trage so unter dem Strich nichts bei.

Auch die Beschäftigung wird nach Schätzung des IW weiter zulegen. So werde die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Jahr um ein Prozent auf 41,5 Millionen und 2013 auf knapp 42 Millionen steigen. Das bedeute „einen absoluten Rekordwert seit der deutschen Wiedervereinigung“, sagte Hüther.

Auch für die Eurozone machte Hüther Hoffnung. Das IW gehe für die südeuropäischen Krisenstaaten davon aus, „dass sich die Situation hier 2013 stabilisiert und damit der Grundstein für neues Wachstum gelegt wird“, sagte er. „Die Anpassungsprozesse laufen.“ Allerdings sei das „kein Osterspaziergang“ und werde gerade in den Fällen von Griechenland und Spanien noch Jahre dauern.

Als zentrale Herausforderung bezeichnete der IW-Chef die mangelnde Kapitalausstattung der Banken. Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitgestellte Liquidität habe die Situation jeweils nur kurz beruhigt.

Zudem könnte Hüther zufolge wegen der großen Geldmengen Inflation nach 2013 „durchaus ein Thema“ werden. Noch stecke das Geld in den Bilanzen der EZB und der Banken. Dennoch müsse es irgendwann wieder eingesammelt werden. Dafür gebe es aber in diesem Maßstab noch keinerlei Erfahrungen.

Zugleich sprach sich Hüther klar gegen neue milliardenschwere Sozialleistungen aus - wie das derzeit diskutierte Betreuungsgeld. Dieses sei „ein Vorschlag, den man mit Sicherheit nicht umsetzen sollte“, sagte er. Statt dessen sollten Mehreinnahmen aus Steuern und die günstigen Zinsen auf deutsche Staatsanleihen dazu genutzt werden, die Staatsfinanzen zu sanieren.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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