Deutsches Wachstum
Regierung versprüht Zuversicht, Börsenprofis bleiben skeptisch

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat sich nach dem starken deutschen Wirtschaftswachstum im ersten Quartal auch zuversichtlich für das Gesamtjahr gezeigt. Mehr als zwei Prozent seien möglich, heißt es. Doch das beeindruckt die Finanzprofis kaum.

HB KUWAIT. Optimismus in der Bundesregierung: Das deutsche Wachstum könnte besser ausfallen als von der Bundesregierung vorhergesagt, sagte Finanzminister Peer Steinbrück am Dienstag am Rande eines Besuches in Kuwait. Bisher geht die Regierung davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt 2008 um 1,7 Prozent zulegen wird. Im ersten Vierteljahr hatte das BIP um 1,5 Prozent zum Vorquartal zugenommen und damit so stark wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr. Experten halten mittlerweile mehr als zwei Prozent für möglich.

Für 2009 sei er vor allem wegen der Finanzkrise nicht ganz so optimistisch, sagte der SPD-Politiker. Für das kommende Jahr erwartet die Regierung bislang einen BIP-Zuwachs um 1,2 Prozent.

Finanzstaatssekretär Thomas Mirow hatte sich am Vortag in Kiew noch etwas weiter vorgewagt. Er hatte erklärt, die Wachstumsrate 2008 könnte sogar über zwei Prozent liegen. Der Präsident des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW, Wolfgang Franz, sagte, nach dem kräftigen Plus im ersten Quartal könnte das Jahreswachstum rund zwei Prozent erreichen. Allerdings warnte er, das starke Wachstum in den ersten drei Monaten werde sich im Folgequartal nicht fortsetzen.

Die Finanzprofis bleiben hingegen skeptisch. Trotz des starken Wirtschaftswachstums in Deutschland im ersten Quartal haben sehen sie Konjunkturhöhepunkt überschritten. Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen sank im Mai überraschend um 0,7 Zähler auf minus 41,4 Punkte.

Zwar beurteilen die Experten die Aussichten für den Export dank der bislang ausgebliebenen Rezession in den USA deutlich besser als im Vormonat. Zugleich sehen sie aber kaum Spielraum für ein Anspringen des privaten Konsums, weil die starke Teuerung viel Kaufkraft kostet.

Der Rückgang des viel beachteten ZEW-Barometers drückte einen Tag vor den Daten zum Ifo-Geschäftsklima die Stimmung am Aktienmarkt. Spekulationen auf Zinserhöhungen in der Euro-Zone hievten zudem den Euro auf den höchsten Stand seit drei Wochen. Die Gemeinschaftswährung stieg bis auf 1,5674 Dollar und reagierte damit auf Aussagen von ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Franz hatte nach der Veröffentlichung des ZEW-Konjunkturindex gesagt, er gehe davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins in naher Zukunft anheben werde. Nach Einschätzung von Franz legten die jüngste Äußerungen von EZB-Notenbankern den Schluss nahe, dass sie mehr zur Eindämmung der Inflation tun müssten. „Damit wurde die Euro-Nachfrage angefacht“, kommentierte ein Händler. Im späten Vortagesgeschäft war die Gemeinschaftswährung noch um 1,5516 Dollar gehandelt worden.

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