Deutschland behält Vorreiterrolle
Industrieproduktion in der Euro-Zone steigt wieder

Die Erzeugung von Energie und Industrieprodukten im Euro-Raum hat sich im Februar erholt. Das Plus war sogar etwas stärker als von Bankvolkswirten erwartet. Allerdings wurde der Januar-Rückgang nachträglich nach unten korrigiert.

ari DÜSSELDORF. Die Industrieproduktion in der Euro-Zone hat erwartungsgemäß zugelegt und die Vorausschätzungen leicht übertroffen. Im Februar stieg die Erzeugung nach den vom Statistikamt Eurostat am Freitag vorgelegten Zahlen im Monatsvergleich um 0,6 Prozent. Bankvolkswirte hatten im Mittel ein Plus von 0,4 Prozent erwartet. Der Rückgang im Januar – es war der erste seit September vergangenen Jahres – fiel allerdings tiefer aus als zunächst berechnet. Die Statistiker revidierten das Minus von 0,2 auf 0,5 Prozent nach unten. Dabei dürfte eine Rolle gespielt haben, dass der Zuwachs in Deutschland im Januar wesentlich niedriger ausgefallen war als ursprünglich geschätzt.

Deutschland behielt dennoch seine Vorreiterrolle unter den großen Ländern des Euro-Raums. Die deutsche Industrie erzeugte im Februar 0,9 Prozent mehr als im Vormonat, die Produktion ist damit seit vier Monaten nicht gefallen und in drei der vier Monate gestiegen. Das Vorjahresniveau wird ebenfalls den vierten Monat in Folge um mindestens sechs Prozent überschritten – weder die Industrie in Frankreich, noch in Spanien oder Italien kommt an solche Werte heran. In Italien war die Produktion im Februar sogar 0,7 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. In der gesamten Euro-Zone schwankt die Zuwachsrate im Jahresvergleich zwischen drei und gut vier Prozent. Im Februar stieg die Industrieproduktion in Deutschland und Frankreich, in Spanien und Italien nahm sie ab.

Ein Grund für das gute Abschneiden der deutschen Industrie dürfte die starke Nachfrage nach Investitionsgütern sein, die auch für ein kräftiges Wachstum beispielsweise im Maschinenbau sorgt. In der gesamten Euro-Zone sind die Investitionsgüter im Februar gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent gestiegen, sie lagen auch im Januar im Gegensatz zu anderen Gütergruppen im Plus. Im Jahresvergleich ist der Zuwachs bei der Investitionsgüterproduktion seit Monaten die höchste von allen Industriebereichen. Im Februar wurde mit 7,4 Prozent zum dritten Mal in Folge die Marke von sieben Prozent Zuwachs überschritten. Besonders deutlich Steigerungsraten im Jahresvergleich verzeichnet auch die Produktion von Vorleistungsgütern, zu der beispielsweise große Teile der chemischen Industrie und die Metallerzeugung gehören. In der Verbrauchsgüterproduktion ist die Zuwachsrate unterdurchschnittlich. Am schwächsten schneidet die Energieversorgung ab. Sie ist in allen Wintermonaten – vermutlich eine Folge des viel zu milden Wetters – im Vorjahresvergleich geschrumpft.

Bankvolkswirte schließen nicht aus, dass sich die Dynamik in der Industrieproduktion in den nächsten Monaten verringert. Die Ökonomen der Bayerischen Landesbank begründen dies vor allem mit der leicht rückläufigen Tendenz in den Einkaufsmanagerumfragen seit Sommer vergangenen Jahres. Nach Berechnungen der Volkswirte der HSBC-Gruppe deutet der Einkaufsmanagerindex seither auf einen Produktionsanstieg von maximal vier Prozent im Jahresvergleich hin. Die Entwicklung der Produktion in den ersten beiden Monaten passt in dieses Bild: Im Februar betrug die Zuwachsrate auf Jahressicht 4,1 Prozent, im Januar 3,4 Prozent. Selbst wenn die Produktion im März stagnieren würde, läge sie – so die Ökonomen der Bayerischen Landesbank – im ersten Quartal um 0,8 Prozent über dem im vierten Quartal 2006 erreichten Niveau. Angesichts der schwachen Entwicklung bei Einzelhandelsumsätzen und PKW-Zulassungen vermuten die Volkswirte in München, dass die Industrieunternehmen verstärkt wieder ihre Lager füllen, also wieder mehr auf Vorrat produziert wurde. Im Schlussquartal waren Lager wegen einer starken Nachfrage auch aus dem Ausland vielfach geleert worden.

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