Deutschland-Boom
Superaufschwung schürt Angst vor Überhitzung der Wirtschaft

Besser könnte es für die deutsche Wirtschaft eigentlich nicht laufen. Der Aufschwung übertrifft das Vorkriseniveau, und er verliert nach dem rasanten Jahresstart auch kaum an Tempo. Der Boom birgt aber Risiken.
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BerlinDer Ifo-Geschäftsklimaindex verharrt im Mai überraschend auf dem Vormonatsniveau von revidiert 114,2 Zählern, wie das Münchner Institut am Dienstag mitteilte. Experten hatten mit einem Rückgang gerechnet, nachdem das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft bereits zuvor zwei Mal gesunken war. „Die Konjunkturampeln in Deutschland stehen nach wie vor auf grün“ , sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Das Ifo-Institut hat seinen Index zur Umfrage unter rund 7000 Firmen im Mai umgestellt und neu gewichtet. Deshalb wurden frühere Ergebnisse teilweise stark revidiert. Die befragten Manager beurteilten ihre Lage günstiger als zuletzt, der Teilindex stieg auf 121,4 Punkten von revidiert 121 Zählern. Ihre künftigen Geschäfte bewerteten die Unternehmen etwas skeptischer, die Erwartungskomponente sank auf 107,4 Punkte von revidiert 107,7 Zählern.

Analysten bejubelten die Ifo-Zahlen, warnten zugleich aber vor Risiken des Dauer-Booms. „Die Stimmung der Unternehmen ist nach wie vor spitzenmäßig", sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank. "Dennoch würde ich mir nun einen Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex wünschen." Einerseits könne sich Deutschland weiter auf durchschnittliches bis überdurchschnittliches Wachstum freuen, selbst wenn es ein paar Mal runtergehen könne. Mit einer Rezession sei jedenfalls nicht zu rechnen. Zudem brauche Deutschland eine Wachstumsverlangsamung, "wenn der deutsche Konjunkturmotor nicht überhitzen soll", sagte der Dekabank-Ökonom. "Man kann nicht auf Dauer im roten Bereich fahren." Insofern müsse ein Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex "kein Beinbruch" sein.

"Das ist erfreulich und zeigt, dass die Wirtschaft weiter ordentlich läuft", sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. Er rechne in den kommenden Monaten zwar mit einem leichten Rückgang des Ifo-Index. "Daraus gleich das Ende des Aufschwungs zu folgern, wäre aber verfrüht." Die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft seien weiter gut. "Für Deutschland wäre es aber langfristig besser, wenn die EZB nun die Zinsen anhebt und dabei eine etwas zügigere Gangart an den Tag legt“, sagte Solveen.

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  • An was erinnern mich diese Meldungen vom XXXXXXXL-Aufschwung blos immer?
    Achja richtig, an das deutsche "Rüstungswunder" anno 1944.

    Deutschland ist anscheinend wieder dabei, sich zu Tode zu "siegen".
    Immer neue Rekorde, noch mehr Leistung, noch mehr Opfer.
    Für nichts und wieder nichts.
    Es wäre schön, könnten wir unser moralisch wie wirtschaftlich bankrottes Herrschaftssystem ausnahmsweise mal um 5 VOR 12 beseitigen und nicht wieder um 5 NACH 12 ...

  • Liebes Handelsblatt.. das geringe Niveau, was schon der Titel vermuten ließ, bestätigt sich in einem Almanach von Meinungen einzelner Personen, die allesamt eine Interessensicht haben. Ich fühle mich einfach unwohl, wenn ich den Gedanken trage, dass ich mit Handelsblatt einmal wirtschaftsjournalistische Kompetenz verband. Die Druckausgabe fliege ich noch ganz gern durch, aber was hier im Web geboten wird, ist ähnlich der FTD.de unterste Kanone. Warum machen Sie nicht lieber weniger z.B. keine dpa-contentübernhamen und dafür sichern Sie die Qualität?

  • Dazu fällt mir nur folgendes ein: Wer hoch fliegt wird tief fallen! Der nächste Crash wird ultimativ sein. Schon in 2008 ging es steil Bergab, nachdem die Immoblase in den USA hochgegangen ist. Dieses mal wird es noch viiiiiel heftiger werden. Leute, kauft Gold u. Silber u. dazu lecker Eintopf Vorräte bei ALDI u. LIDL. Der Systemcrash wird über uns alle hinwegfegen wie ein Tornado!

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