Deutschland
Export soll Trendwende zum Besseren schaffen

Bundesbank und Bundesregierung zeigen sich optimistisch: Nach langer Schwächephase hat Exportweltmeister Deutschland im Sommer offenbar wieder Tritt gefasst.
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HB FRANKFURT/BERLIN. „Erstmals seit mehr als einem Jahr dürften die Exporte in der Quartalsbetrachtung wieder zugelegt haben“, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mit. Die Exporteure profitierten dabei von der weltwirtschaftlichen Erholung, die dem Außenhandel Impulse verleihe: Die konjunkturelle Belebung dürfte daher im dritten Quartal deutlich zugenommen haben.

Auch die weiteren Perspektiven für die Ausfuhrwirtschaft gestalteten sich etwas freundlicher, teilte das Ministerium mit. Wie stark der Exportweltmeister aber noch unter den Folgen der globalen Rezession leidet, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahresergebnis. In den ersten acht Monaten setzten die Unternehmen 22,3 Prozent weniger im Ausland um als ein Jahr zuvor.

Angesichts der insgesamt aufgehellten Konjunkturaussichten hat die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für kommendes Jahr allerdings auf 1,2 von 0,5 Prozent angehoben. Die Wirtschaft war im zweiten Quartal 2009 um 0,3 Prozent gewachsen und hatte damit eine einjährige Rezession beendet. Für das dritte Quartal sagen Experten ein Plus von 0,7 Prozent voraus. Bundesbankchef Axel Weber geht von einem Wachstum von rund 0,75 Prozent aus.

Sein Haus sieht die Konjunktur ebenfalls auf dem Weg der Besserung, wie aus dem jüngsten Monatsbericht der Notenbank hervorgeht. Die deutsche Wirtschaft habe sich im Sommer weiter von dem konjunkturellen Tief erholt, in das sie nach dem Einbruch im Winterhalbjahr 2008/09 gefallen sei. Die Wirtschaftsleistung war zu Jahresbeginn um 3,5 Prozent eingebrochen, bevor das Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr wieder zulegte.

Sorgen bereitet der Bundesbank allerdings die Binnenkonjunktur: „Vom privaten Konsum sind im dritten Quartal wohl keine Impulse mehr ausgegangen.“ Der Einzelhandel habe weniger umgesetzt. Gleichzeitig habe auch die Zahl der Autokäufe „erkennbar nachgelassen“. Überdies dürften die Unternehmen weniger investiert haben.

Wegen der schlechten Auslastung könnten sich die Firmen auch nächstes Jahr mit ihren Ausgaben für Maschinen, Geräte und andere Investitionsgüter zurückhalten, wie eine Studie des Ifo-Instituts und des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen ergab. In den ersten drei Quartalen drohe ein Minus von acht bis neun Prozent. „Investitionen zur Erweiterung der Kapazitäten werden auf absehbare Zeit kaum eine Rolle spielen“, sagte Ifo-Experte Joachim Gürtler. „Wenn die Unternehmen zurzeit investieren, dann geht es in der Regel um Rationalisierungen oder den Ersatz alter Anlagen.“

Die Bundesbank rechnet außerdem damit, dass Deutschland angesichts der tiefen Wirtschaftskrise eine mehrjährige Schonfrist bei der EU-Defizitgrenze eingeräumt wird. „Würde Deutschland aufgefordert, das übermäßige Defizit erst 2012 und damit im dritten Jahr nach dessen voraussichtlicher Feststellung zu korrigieren, könnte dies mit der besonderen Situation begründet werden“, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbank. Auf eine über das Jahr 2012 hinausreichende Frist könne die Regierung in Berlin derzeit jedoch nicht hoffen.

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