Deutschland
OECD: 700 000 Arbeitslose mehr

Der von der Finanzkrise verursachte Konjunktureinbruch wird nach Einschätzung der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OEDC) in Deutschland zu einem heftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Ihre letzte Wachstumsprognose korrigierte die OECD drastisch nach unten.

HB PARIS. Die Zahl der Arbeitslosen werde bis Ende 2010 um rund 700 000 steigen, teilte die OECD am Dienstag in Paris mit. In Deutschland werde das zu einem Anstieg der Quote von 7,7 auf knapp über 9,0 Prozent führen. „Die Arbeitslosigkeit dürfte gegenüber ihrem derzeit niedrigen Stand erheblich ansteigen, wobei erste Entlassungen hauptsächlich Zeitarbeitskräfte treffen werden“, sagt die OECD voraus. Dennoch werde der private Konsum voraussichtlich moderat zulegen, da die meisten der höheren Lohnabschlüsse von 2008 bis weit in das nächste Jahr hineinwirkten. Durch den nachlassenden Preisdruck verbleibe den Verbrauchern zudem real mehr Geld in der Tasche. Die OECD geht davon aus, dass wegen der nachlassenden Nahrungs- und Energiepreise die Inflation spürbar auf Jahresraten von unter 1,5 Prozent sinken werde.

Zuletzt hatte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, weniger drastische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt prognostiziert: Im schlimmsten Fall, bei einem Wachstum von minus 0,5 Prozent sei mit 130 000 zusätzlichen Arbeitslosen im Jahresschnitt 2009 zu rechnen. Bei einem Nullwachstum würden etwa 30 000 Menschen zusätzlich arbeitslos.

Laut OECD wird die deutsche Konjunktur von der weltweiten Wirtschaftskrise besonders hart getroffen und rutscht in eine Rezession. Demnach wird die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr um 0,9 Prozent schrumpfen und erst 2010 wieder zu einem Wachstum von 1,3 Prozent zurückkehren. Schon vom zweiten Halbjahr 2009 an sei mit einer Konjunkturerholung zu rechnen. „Ein Konjunkturpaket sollte genau zum richtigen Zeitpunkt erfolgen, gezielt ausgerichtet und vorübergehender Art sein“, heißt es in dem OECD-Bericht.

Ihre letzte Prognose vom Juni korrigierte die OECD drastisch nach unten. Vor fünf Monaten rechnete die Organisation noch mit einem Wachstum von 1,0 Prozent in Deutschland für 2009.

„Es wird damit gerechnet, dass das reale BIP im verbleibenden Teil von 2008 stark nachgeben und im ersten Halbjahr 2009 weiter zurückgehen wird“, heißt es in dem Bericht der Organisation von 30 Industrieländern. Wegen seiner Exportabhängigkeit treffe Deutschland der weltweite Konjunktureinbruch besonders hart. Die OECD-Forscher haben bei ihrem Ausblick allerdings das Konjunkturpaket der Bundesregierung noch nicht berücksichtigt.

Die Wirtschaftstätigkeit lasse in den meisten OECD-Volkswirtschaften bereits nach und dürfte sich auf kurze Sicht weiter abschwächen, sagte die Organisation voraus. Das OECD-weite Wachstum werde wahrscheinlich für einige Quartale im negativen Bereich liegen und auch im restlichen Teil des Jahres 2009 schwach bleiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%