Deutschland

Ökonomen glauben an kräftiges Wachstum 2011

Nach Ansicht führender Wirtschaftsforschungsinstitute hält der Aufschwung in Deutschland im neuen Jahr an. Auch am Arbeitsmarkt gehe es weiter bergauf. Für das kommende Jahr forderten die Ökonomen einem strikten Sparkurs, konsequenten Subventionsabbau und vorerst einen Verzicht auf Steuersenkungen.
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Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn glaubt an gute Aussichten für Deutschland 2011. Quelle: DAPD

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn glaubt an gute Aussichten für Deutschland 2011.

HB BERLIN. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, dämpfte allerdings am Samstag die Hoffnungen etwas. Zwar werde das reale Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2011 voraussichtlich um 2,2 Prozent steigen. Darin sei aber "ein statistischer Überhang in Höhe von 1,5 Prozent enthalten", so dass die eigentliche Konjunkturdynamik nur rund 0,7 Prozent betrage.

Das Ifo-Institut rechnete für das kommende Jahr mit einem Wirtschaftswachstrum von 2,4 Prozent. "Der Aufschwung geht kräftig weiter, wenn auch nicht mehr ganz so stürmisch wie dieses Jahr", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn "Bild.de". "Damit ist Deutschland die Konjunkturlokomotive Europas."

Die Lage am Arbeitsmarkt solle auch 2011 "sehr erfreulich" bleiben, sagte Sinn weiter. "Die Zahl der Arbeitslosen sinkt um weitere 300 000 auf durchschnittlich etwa 2,9 Millionen." Auch die Löhne würden nach Jahren der Flaute wieder etwas stärker steigen.

Bei der Preisentwicklung geht der Wirtschaftsforscher dem Blatt zufolge von einer Teuerungsrate von 1,7 Prozent aus. "Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt des Euroraums, weil in Deutschland die Wirtschaft stärker anzieht."

Keine größeren Erhöhungen erwartet Sinn bei den Renten und rechnet mit knapp einem Prozent. "Bei der Beurteilung dieser Zahl muss man berücksichtigen, dass die Renten im laufenden Jahr nicht gekürzt wurden, obwohl die Löhne im Vorjahr wegen der Kurzarbeit und der Rezession gefallen waren.

Der Chef der sogenannten Wirtschaftsweisen und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim sagte der Nachrichtenagentur dapd: "Die Bäume werden also konjunkturell gesehen im Jahr 2011 nicht in den Himmel wachsen." Die Zahl der registrierten Arbeitslosen werde um rund 300 000 abnehmen und "jahresdurchschnittlich die Drei-Millionen-Grenze knapp unterschreiten". Spiegelbildlich dazu werde sich die Anzahl der Erwerbstätigen ebenfalls um rund 300 000 auf einen Jahresdurchschnitt in Höhe von 40,8 Millionen erhöhen, fügte Franz hinzu.

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  • Quartal-Denken.

  • sie werden nähcstes Jahr ans Existenzminimum kommen, denn der Grundbedarf wird sich erheblich verteuern. Die inflation ist bereits im anmarsch. Unter aufschwung wird hier immer das mehr in den Unternehmerkassen verstanden. es ist eine frechheit, den Leuten was vom großartigen boom zu erzählen, denn die meisten haben davon rein gar nichts. anstattdessen werden wir 10% mehr für Strom blechen, damit Merkel ihre Solarindustrie durchsubventionieren kann. Und es ist ja erst der anfang, es wird jedes Jahr dann beim Strom aufgeschlagen. weiterhin wird es zu einem mietpreisaufschlag kommen, damit das Geld ans handwerk geht wegen der gebäudesanierung. Der Normalverbraucher ist bei diesem abgeblichen "boom" der betrogene. Und der Staat auch, denn die steuern für unternehmer und Reiche werden zug um zug abgesenkt. so läuft das perverse Spielchen ! aber was solls, andererseits ist es auch gut so, dann werden die, die diesen Verein immer wieder wählen, die einbuße ebenfalls mittragen.

  • Nicht das Wachstum sondern die Verteilung, sowohl der Arbeit als auch der Wertschöpfung, ist das Problem.
    Was nützen die schöne Prognose wenn ich als Rentnerin immer näher an das Existenzminimum kommen?
    (ich war nicht im Öffentlicher Dienst und auch nie Arbeitslos, nur 2 Mal 2 jahre Mutterschaft, wohl bemerkt)

  • Wenn Real-biP in 2011 um mindestens 2% steigt, dann bleibt doch das Nominal-biP (bei einer CPi von vorhergesehen 1,7%) um die 3,7%. Für Nov 2010 ist die Zahl 3,9% gegenüber Nov 2009. Rückgang vorgesehen =0,2%. Was soll das jetzt heissen sie erwarten weiterhin starke Zahlen trotz abkühlender Wachstum ? Natürlich sollte die Wachstumsrate nach ein Krisen-comeback-Jahr geringer sein, aber wohl mehr als nur 0,2%. Oder verwechseln die Journalisten, oder ich, oder sogar Oekonomen ständig Nominal- und Real-biP ?

  • Ah, die 'Experten' mal wieder. Die es immer wieder schaffen, Prognosen abzugeben, an die sich die Realität dann partout nicht halten will.

    Die Vorhersagen für das biP-Wachstum in 2010 lauteten im Dezember 2009

    iMK: 2,0%
    Deutsche bank: 1,5%
    DiW: 2,1%
    RWi: 1,6%
    iW: 1,5%
    iFW: 1,2%
    HHWi: 1,5%
    iFO: 1,7%
    ZEW: ?

    Es sind nun aber 3,7%. Was zeigt: diese Prognostiker sind ebenso nutzlos wie die Ratingagenturen. Da sie allesamt stets meilenweit daneben liegen mit ihren ach so wissenschaftlich fundierten (und teuren) Vorhersagen.

  • SO STELL iCH MiR DAS MODERNE ORAKEL VON DELPHi VOR !
    [1] Da haben Sie vollkommen recht. Das ist so eine Sache mit dem Sachverstand. Der ausschließliche blick ins eigene Land macht eben beschränkt.
    Und international gesehen ist Profit generell der Ausschluß des Erwarteten.
    Aber warum hier nicht einfach auch mal munter drauf los prognostizieren?
    Rezessionale Tendenzen der deutschen Wirtschaft.
    Vermindertes Kreditaufkommen.
    Zunehmende internationale Konflikte.
    Starke Zunahme der Hegemonialpolitik des Fernen Ostens und der Vereinigten Staaten von Amerika.
    Man nehme einen Knobelbecher und fülle ihn mit Würfeln: biP, Arbeitslosenzahl, Teuerungsrate, Rente, Lohn und Kurzarbeit. Welcher Würfel oben liegt, hat auf jeden Fall verloren!
    Damit liege ich mit meiner Prognose zu 100 % richtig.

  • Ökonomen sind so verlogen wie Politiker und bankster....
    Oder so dumm ? ;-)
    Dumm, weil sie in naher Zukunft die Wut des Volkes zu spüren bekommen und das nicht voraussehen !!!!!!!!!!!

  • Wie im Chor "singen" die Wirtschaftsforschungsinstitute und viele andere Ökonomen ihr blumingen Wirtschaftsprognosen in den letzten Wochen - wieder einmal, wie im Herbst 2008, als sie von der Lehman-Pleite überrascht wurden. Nur jetzt mit umgekehrtem Vorzeichen. Schritt für Schritt werden sie immer weiter nach oben korrigiert.

    Es sei deswegen warnend an das peinliche Prognosedesaster der Ökonomen in 2008 und 2009 erinnert und vor allem daran, dass die Prognosemethoden heute keine anderen sind als damals (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/08/deutsches-aufschwungwunder-das-2.html).

    Angesichts der zunehmend schwierigeren Lage an den Märkten und der Gefahr des Platzens - dieses mal vielleicht gar einer ganzen Reihe - von blasen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Ökonomen sich mit ihren Prognosen erneut blamieren. das geht, wie die Lehman-leite zeigte, sehr schnell.

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