Deutschland-Studie
OECD dämpft Arbeitsmarkt-Hoffnungen

Erst gestern verkündete die Bundesagentur einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit auf jetzt 3,16 Millionen. Heute folgte dann der Dämpfer der OECD. Die Organisation geht davon aus, dass Deutschland im nächsten Jahr auf der Stelle treten wird.

HB BERLIN. Die Organisation der 30 Industrieländer schätzt in ihrem Beschäftigungsausblick für Deutschland, dass die Erwerbslosenzahl dieses Jahr um 400 000 auf 3,2 Millionen fällt und 2009 auf diesem Niveau verharrt. Die Arbeitsmarktlage charakterisiert die Organisation als verbessert, aber weiter problematisch.

Dank guter Konjunktur sank die Arbeitslosigkeit mit 3,16 Millionen und einer Quote 7,5 Prozent im Juni auf den niedrigsten Stand seit fast 16 Jahren. Zugleich wurden aber auch Mahnungen laut, sich für einen Konjunktureinbruch zu wappnen.

Zwar habe der Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter habe 2007 leicht über dem OECD-Durchschnitt gelegen. Dennoch reiche das Land mit seiner Beschäftigtenquote von 69 Prozent nicht an die Schweiz und einige skandinavische Länder heran, die 75 Prozent und mehr erreichten, heißt es in der Studie.

Zudem entfalle ein großer Teil des Beschäftigungswachstums auf Teilzeitarbeitsplätze; mit 22 Prozent aller Beschäftigten habe Deutschland hier einen der höchsten Anteile innerhalb der OECD. Auch bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen tut sich Deutschland besonders schwer: Gut 56 Prozent aller Arbeitslosen suchten 2007 bereits seit mehr als einem Jahr eine Stelle, verglichen mit weniger als 30 Prozent im OECD-Durchschnitt. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen lag damit nur in der Slowakei höher.

Frauen und Migranten seien auf dem Arbeitsmarkt noch immer benachteiligt, bemängelte die Organisation weiter. Etwa 15 Prozent weniger Frauen als Männer mittleren Alters hätten eine Stelle und verdienten als Vollzeitbeschäftigte im Schnitt auch rund ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen. "Unter den 20 OECD-Ländern, für die Daten vorliegen, ist der Lohnabstand zwischen Männern und Frauen damit nach Japan und Korea in Deutschland am stärksten ausgeprägt", heißt es im OECD-Beschäftigungsausblick.

Ebenso liege in Deutschland bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund die Beschäftigungsquote um etwa 15 Prozentpunkte niedriger als in der vergleichbaren Gruppe ohne ausländische Wurzeln. "Dies ist nur knapp zur Hälfte durch Unterschiede im Bildungsniveau zu erklären. Ein weiterer bedeutender Faktor dürfte die Diskriminierung am Arbeitsmarkt sein", schrieben die Autoren der Studie. Es gebe weiterhin Benachteiligungen, obwohl die deutsche Gesetzgebung gegen Diskriminierung zu den fortschrittlichsten im OECD-Bereich gehöre. Die Organisation regte an, die zuständigen Behörden zu ermächtigen, selbst bei Verdacht auf Diskriminierung gegen Unternehmen zu ermitteln.

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