Deutschland von Weltwirtschaft abgekoppelt
Ifo-Institut senkt die Prognose deutlich

Auch das Ifo-Institut korrigiert - wie bereits andere führende Wirtschaftsforschungsinstitute - seine Konjunkturprognose für 2005 deutlich nach unten.

HB MÜNCHEN. Die Binnenwirtschaft werde die nachlassende Dynamik der Exporte nicht ausgleichen können. Das Wirtschaftswachstum werde im nächsten Jahr nur 1,2 Prozent betragen, sagte am Dienstag das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) voraus. In ihrem gemeinsamen Herbstgutachten waren die sechs führenden Konjunkturinstitute noch von einem Zuwachs um 1,5 Prozent ausgegangen. „Die Weltwirtschaft boomt wie seit 28 Jahren nicht mehr, doch die deutsche Wirtschaft macht nicht mit“, bemängelte das Ifo. Damit bleibe Deutschland beim Wachstum das Schlusslicht in Europa.

„Deutschland ist entkoppelt von der Welt“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Von 1995 bis 2004 sei kein anderes Land in Mittel- und Westeuropa langsamer gewachsen. Damit stecke Deutschland seit einem Jahrzehnt in einer Wachstumskrise, deren Ende nicht absehbar sei. Für das abgelaufene Jahr erwartet das Ifo ein Wirtschaftswachstum von 1,7 (Herbstgutachten: 1,8) Prozent. Dabei gingen aber allein 0,5 Prozentpunkte auf zusätzliche Arbeitstage in diesem Jahr zurück.

In den letzten Wochen wurden die Wachstumserwartungen auf breiter Front zurückgeschraubt. Das Kieler IfW erwartet nur noch ein Wachstum im nächsten Jahr von 0,8 Prozent. Das IWH in Halle und das Essener RWI prognostizieren einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent. Ebenfalls am Dienstag senkte des HWWA in Hamburg seine Prognose 2005 auf 0,9 Prozent.

Exportzuwachs verliert 2005 an Dynamik

Ursache für den skeptischeren Ausblick des Ifo für 2005 ist die Annahme, dass sich der Export wegen einer nachlassenden Dynamik der Weltkonjunktur deutlich schwächer entwickeln wird als in diesem Jahr. Die Binnennachfrage bleibt im Gegenzug zu schwach, um diese Einbußen ausgleichen zu können. Der Grund dafür sei, dass das deutsche Lohnkostenniveau zu hoch sei, was die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Arbeitnehmer angesichts der wachsenden Niedriglohnkonkurrenz in Osteuropa und Asien immer mehr beeinträchtige. Deshalb sicherten die Firmen ihre Wettbewerbsfähigkeit dadurch, dass sie Teile der Produktion und damit Arbeitsplätze in Niedriglohnländer verlagerten.

Die Arbeitnehmer hätten Angst vor dem Arbeitsplatzverlust und hielten sich beim Kauf langlebiger Güter zurück, schrieb das Ifo. „Die schwache Binnennachfrage ist ein unmittelbarer Reflex der Standortprobleme des Landes.“ Zum Export hieß es, dieser werde im nächsten Jahr nur noch halb so stark zulegen wie 2004. Für das laufende Jahr geht das Institut von einem Exportzuwachs von gut neun Prozent aus. Die Frage, warum sich das starke Export nicht so stark wie früher auf die Binnenwirtschaft überträgt, erklärt das Ifo mit dem so genannten Basareffekt. Danach besteht ein wachsender Teil der Exporte aus importierten Vorleistungen und ausländischen Handelsgütern, also durchlaufenden Posten.

IFO: Arbeitslosigkeit wird im Schnitt 2005 steigen

Als Folge der schwachen Wirtschaftsdynamik wird sich der deutsche Arbeitsmarkt dem Ifo zufolge nicht entspannen. Die Arbeitslosenquote dürfte demnach auf 10,4 von 10,3 Prozent in diesem Jahr steigen. Zudem rechnet das Ifo damit, dass das staatliche Defizit in diesem Jahr mit 3,9 Prozent und im nächsten Jahr mit 3,1 Prozent erneut über der europäischen Obergrenze von 3,0 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen wird. Die privaten Konsumausgaben sollten 2005 um 0,8 Prozent steigen nach einem Rückgang von 0,3 Prozent in diesem Jahr.

Zur Geldpolitik schrieben die Ifo-Volkswirte, die Europäische Zentralbank werde im Prognosezeitraum die Leitzinsen nicht senken und bei 2,0 Prozent belassen. Beim Euro nimmt das Ifo für 2005 einen Wechselkurs von im Schnitt 1,33 Dollar an. Der Ölpreis werde tendenziell etwas sinken.

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