Dezember-Zahlen
ZEW-Konjunkturbarometer steigt wie seit Jahren nicht mehr

Die Finanzmärkte beurteilen die Aussichten für die deutsche Wirtschaft erheblich besser als vor einem Monat: Das Konjunkturbarometer des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) machte einen Sprung nach oben.

HB MANNHEIM. Der Saldo der ZEW-Konjunkturerwartungen der rund 300 befragten Analysten und institutionellen Anleger stieg im Dezember auf 61,6 von 38,7 Punkten im November, wie das ZEW am Dienstag mitteilte. „Ein wesentlicher Faktor für den aufkommenden Optimismus dürfte die zunehmende Investitionsbereitschaft der deutschen Unternehmen sein“, erklärte das Institut. Daneben hätten der Euro-Dollar-Wechselkurs sowie eine breite weltwirtschaftliche Dynamik die Exportaussichten für die kommenden sechs Monate gestützt.

Die vom ZEW befragten Finanzmarktprofis bewerteten auch die aktuelle Lage besser als noch im November. „Mir scheint, dass sich die Stimmung an die doch recht gute Lage anpasst“, sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Festverzinsliche Papiere reagierten mit Kursverlusten auf die ZEW-Daten.

Der Anstieg des Indikators war nach ZEW-Angaben der stärkste binnen Monatsfrist seit Juli 1993. Das Institut erklärte, auch der Euro-Kurs und die breite weltwirtschaftliche Dynamik hätten die Exportaussichten für die kommenden sechs Monate verbessert. Der Indikator zur aktuellen Lage kletterte auf minus 44,4 von minus 55,2 Punkten. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg des Erwartungsindikators auf 40,5 Zähler und einer Verbesserung des Lagesaldo auf minus 53,0 Punkte gerechnet. Der Saldo der Konjunkturerwartungen für die Euro-Zone stieg auf 51,2 von 40,0 Punkten.

LBBW-Analyst Niklasch sagte, der ZEW-Indikator spiegele die zuletzt guten Nachrichten aus der Industrie, vom Ifo-Index und vom Aktienmarkt wider. Es seien „die Weichen gestellt für eine Beschleunigung der konjunkturellen Erholung im kommenden Jahr“. Schon das Schlussquartal 2005 dürfte ein ähnlich gutes Wachstum wie das dritte Quartal bringen, als die deutsche Wirtschaft um 0,6 Prozent gewachsen war: „Wir sehen uns im Trend bestätigt, die Erholung gewinnt an Kraft“, sagte Niklasch.

In den vergangenen Wochen hatten viele Analysten ihre Konjunkturprognosen für 2006 nach oben revidiert. Ulrike Kastens vom Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim sagte, sie erwarte nun 1,8 Prozent Wirtschaftswachstum: „Das wird einerseits vom Außenhandel getragen und als zweite Säule auch von den Ausrüstungsinvestitionen.“ Stefan Mütze von der Helaba ergänzte, die Aufträge kämen vor allem vom Ausland, aber zunehmend auch vom Inland: „Das zeigt, wie stark Deutschland wegen seiner hohen Wettbewerbsfähigkeit im Ausland von einer dynamischen Weltwirtschaft profitiert.“

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