Die Angst vor der Rezession
Wie schlimm wird es wirklich?

Manche rufen „Rezession!“ Nur noch ein kleiner Schubs sei nötig, dann gerate die Weltwirtschaft aus der Balance. Deutschland aber könnte glimpflich davonkommen.
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Nicholas Bloom ist der neueste Held aller Schwarzseher. Europa zerstritten, die USA gelähmt, die Banken angeschlagen – ein "explosives Gemisch" für die Weltkonjunktur sei das, sagt Bloom. Er ist Wirtschaftsprofessor im kalifornischen Stanford, hat die Börsenturbulenzen der vergangenen hundert Jahre untersucht und befindet in aller Kürze: Die Kursausschläge heute sind so wild wie nach den Terroranschlägen des 11. September. Deshalb kommt im Westen jetzt das, was immer auf eine Zeit extremer Verunsicherung folgt – die Rezession.

Hat der Panikforscher recht? Ja, sagen die Börsianer, die den Dax aufs Jahrestief gedrückt haben. Es genüge noch ein kleiner Schubs, dann gerate die Weltwirtschaft aus der Balance, erklärt die Investmentbank Morgan Stanley ganz trocken.

Wenn es nur Börsianer und Banker wären, die jetzt Trübsal blasen. Aber das Wachstum ist längst dabei zu erlahmen. Zwischen April und Juni ist die französische Wirtschaft gar nicht gewachsen, die deutsche um mickrige 0,1 Prozent und alle Industrieländer haben im Durchschnitt um 0,2 Prozent zugelegt. So langsam bewegte sich die Industriewelt zuletzt vor zweieinhalb Jahren – als die Bankenkrise sich auf die Realwirtschaft ausweitete. Die Börsianer haben also allen Grund zur Angst. Der Westen lag beim Wachstum zuletzt auffällig nah an der Nulllinie und könnte schnell darunter sinken.

Wie in einer Reihe fallender Dominosteine kommt die Gefahr der Bundesrepublik, dem Wachstumswunderland des vergangenen Jahres, näher.

Der erste Stein, das war die Abschwächung der Dynamik in führenden Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas. Mit ihrem Hunger nach Rohstoffen, Maschinen und Konsumprodukten hatten China, Brasilien und Co. die Weltkonjunktur 2010 vorangetrieben. Dabei überhitzten sie, die Inflation stieg, ihre Zentralbanken erhöhten die Zinsen und dämpften auf diese Weise die Konjunktur. Erst zu Hause, dann über den Weg des Welthandels überall auf dem Globus.

Dann fiel der zweite Stein. Im Westen laufen die Konjunkturprogramme aus dem Krisenjahr 2009 aus. Das verlangsamt die Wirtschaft weiter.

Weil von Griechenland bis Irland viele Euro-Länder viel zu hoch verschuldet sind, fiel dann ein besonders dicker Stein: die Staatsschuldenkrise. Erst misstrauten die Kreditgeber an den Finanzmärkten nur Griechenland und Portugal, dann auch Spanien und Italien, am Schluss sogar Frankreich. Mehrfach musste sich Euroland in Rettungsaktionen der Welle der Angst entgegenstemmen. Und die Krisenländer müssen erstmals seit einem Jahrzehnt ernsthaft sparen. Das Leben auf Pump geht nicht mehr einfach so weiter, und die Wirtschaft reagiert wie ein Junkie auf Entzug.

Der vierte Stein: Die stets optimistischen Konsumenten in den Vereinigten Staaten sind zu Angstsparern geworden. Und wenn in den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, die Wachstumslichter ausgehen, wird es nach allen bisherigen Erfahrungen in der gesamten Weltwirtschaft düster.

Als würde all das nicht genügen, verängstigen die Regierungen Europas und Amerikas ihre Verbraucher und Investoren noch zusätzlich. Und das ist ein gewaltiger Stein, der da fällt.

Kommentare zu " Die Angst vor der Rezession: Wie schlimm wird es wirklich? "

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  • „Die Finanzminister der G20, ohne Beteiligung der Lobbyisten, hätte es in der Hand einen besseren "Markt" zu schaffen“. Korrekt.
    Bei der Lösung des Rätsels helfen Zahlen weiter.
    In den letzten 3 Jahren haben die Staaten weltweit ca. 32,5 Billionen Dollar aufgewendet, das Jahres BIP der Weltwirtschaft, natürlich alles auf Pump, um die Bankster zu retten und um einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen.

    Beides ist gründlich schief gegangen. Die Bankster sind immer noch genau so pleite wie anno 2007, weil die ganzen Rettungsbillionen schon wieder im Eigenhandel und an der Börse verzockt wurde. Und nachdem alle Konjunkturstrohfeuer wirkungslos verpufft sind, brechen die westlichen Industriestaaten zusammen. Einer nach dem anderen – eine unaufhaltsame Kettenreaktion.
    Wegbrechende Steuereinnahmen prallen auf explodierende Ausgaben für Soziales und Kapitaldienst, die Henkerschlinge für jeden Staat. Die Griechen kennen sich da bestens aus. Aber gerade wir in DE dürften mit unseren Produkten Made in Germany mit einem blauem Auge davon kommen, falls wir nicht alles an die PIIG/F(S verschenken müssen, wie in den letzten Jahren auch geschehen.

    18,2 Billionen Euro faule Werte vergiften europäische Banken, das sind 44% ihrer gesamten "Geldanlagen"

    Im Quartalsbericht der BIZ vom Juni 2008 geht hervor, dass die Bankster weltweit auf ca.600 Billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, aus den Bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. http://www.bis.org/press/p080609_de.pdf

    Auch der massive Aufschwung der Schwellenländer wurde mit zinslosem Zentralbankgeld der EZB, BoE und der Fed vorangetrieben. Das nächste Pulverfass!! Leben und schlemmen auf Kosten der Steuerzahler, das ist das Grundübel des nicht mehr all zu fernen Armageddons. Ohne einen Reset im Finanzsystem und einer Trennung von Geschäfts- und Zockerbanken wird es keinen Aufschwung in den westlichen Industriestaaten geben. So sicher wie das Amen in der Kirche.

  • @Pendler

    Die vergangenen 4 Wochen haben gezeigt, dass Aktionäre viel Geld verlieren können, ohne dass sich in der Realwirtschaft etwas verändert.

    Weder Merkel/Sarkozy noch Ben Bernanke ist auf die Forderungen der Finanzmärkte eingegangen. Und? Nichts passiert. Das Kapital ergreift die Flucht und verkriecht sich in sichere Staatanleihen.

    Apropos immer Geld verdienen an der Börse.
    Wer hat denn die 25% Abschlag an der Börse verloren?

    Ist ihnen schon mal aufgefallen, dass hier alle Zocker immer nur darüber schreiben, dass sie Geld an der Börse verdienen, aber niemals darüber schreiben, wenn sie Geld verzockt haben?


  • ein ängstlicher hosenscheisser wie sie, ohje im leben nichts auf die reihe gebracht und anderen die Bereicherung erklären wollen ein wicht der sich wichtig nimmmmt ein lacher für sie im Hamsterrad gehts unaufhaltsam vorwärts.

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