Die Hotelaffäre untergräbt die Moral der Bundesbank
Bundesbank - Riese ohne Macht

„Das ist ein Tiefschlag“, klagt ein sichtlich angeschlagener Bundesbanker. „Früher haben wir den Finanzministern in Bonn und Berlin die Leviten gelesen, heute demontiert Hans Eichel in aller Öffentlichkeit unseren Präsidenten“. Die Vorwürfe gegen Bundesbankchef Ernst Welteke in der Affäre um den von der Dresdner Bank bezahlten Aufenthalt in einem Berliner Nobelhotel untergraben die ohnehin angeschlagene Moral der Deutschen Bundesbank weiter. Und die Affäre gefährdet nach Einschätzung Frankfurter Finanzexperten die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit, die eine Zentralbank auszeichnen.

FRANKFURT/M. Vor Jahren sagte Jacques Delors, der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, einmal: „Die Franzosen glauben an Gott, die Deutschen an die Bundesbank“. Doch glaubt die Bundesbank nach der Affäre Welteke eigentlich noch an sich selbst?

Mit der Einführung des Euros wurde die einst mächtigste Notenbank Europas zu einem Rädchen in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) degradiert. Doch der Bedeutungsverlust ging noch viel weiter. Das Management der Bundesschulden mussten die Zentralbanker an die von Bundesfinanzminister Hans Eichel gegründete Finanzagentur abgeben. Die soll die Emission von Anleihen moderner und effizienter machen. Und bei der Kontrolle der Finanzindustrie hat Eichel der Notenbank mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine mächtige und selbstbewusste Behörde vor die Nase gesetzt. „Natürlich entsteht da Frust“, erzählt ein Bundesbanker. „Vor allem viele von den alten Haudegen glauben, dass sie eine viel bessere Geldpolitik gemacht haben und machen könnten als die EZB.“

In drei Jahren wird die Bundesbank 50 Jahre alt, doch nach Feiern dürfte 2007 den wenigsten Notenbankern zumute sein. Dann wird, wenn der große Umbau wie geplant läuft, jede dritte Stelle weggefallen sein, 5 000 von 16 000 Arbeitsplätzen sollen verschwinden. Von einst 108 Filialen werden nur noch 45 übrig sein. 3 000 Beschäftigte müssen umziehen. Dass beim einstigen Koloss Bundesbank alles ins Rutschen geraten ist, zeigt sich in der Cafeteria. Seit Monaten hängen dort hunderte Zettel an der Wand, Ausschreibungen und Wechselwünsche.

Die Gewerkschaften und der Personalrat stöhnen, aber am Ende akzeptieren viele den Schrumpfkurs doch, wenn auch mit Zähneknirschen. „Wir können doch nicht ständig Reformen und strikte Disziplin beim Sparen von der Bundesregierung einfordern und dann selbst die Hände in den Schoß legen“, sagt ein junger Volkswirt.

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