Die Zeit des billigen Öls ist vorbei
IfW: Höhenflug der Ölpreise bremst Wachstum

Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) stellt der ungebremste Höhenflug der Ölpreise die erhoffte Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in Deutschland im kommenden Jahr zunehmend in Frage. „Das Risiko ist da, dass die leichte Konjunkturbelebung wieder erstickt wird“, sagte IFW-Ölexperte Klaus-Jürgen Gern am Freitag.

HB KIEL. Der Ölpreis erreichte am Freitag erneut ein Rekordhoch. Im laufenden Jahr dürfte die Konjunktur in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent bereits ihren Zenit erreichen, sagte Gern. Im kommenden Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt um 1,3 Prozent wachsen. Die von vielen nach wie vor erwartete weitere Verstärkung der Konjunktur erscheine eher zweifelhaft. Das mittelfristige Bild verdüstere sich mit diesem Szenario. Sollte das nur mäßige Wachstum bereits nach knapp zwei Jahren seinen Höhepunkt überschreiten, lasse dies mittelfristig auf eine gravierende Wachstumsschwäche schließen.

Die leichte Belebung der Konjunktur in Deutschland werde ausschließlich vom Export getragen. Die internen Auftriebskräfte blieben hingegen weiter schwach. Das sei eine „ungünstige Gemengelage“ bei der die Entwicklung besonders anfällig bleibe. Der hohe Ölpreis wirke gleich doppelt negativ. So werde die ohnehin schwächelnde Binnennachfrage weiter gedämpft und auch die Nachfrage aus dem Ausland dürfte sich zunehmend abschwächen. Bereits jetzt zeichne sich in den Wachstumszentren der WELt, China und USA, eine geringere Dynamik ab.

Eine kurzfristige Entlastung durch wieder sinkende Ölnotierungen sei nicht zu erwarten. „Die Zeit des billigen Öls ist vorbei“, sagte Gern. So dürfte der Ölpreis zum Jahresende 2004 eher bei 35 bis 38 US-Dollar je Barrel (159 Liter) liegen und nicht wie bisher angenommen bei 30 Dollar. Auch für 2005 zeichne sich keine grundlegende Entspannung ab. Mit knapp 35 Dollar im Schnitt dürfte die bisherige Prognose von 30 Dollar erneut deutlich übertroffen werden.

Die gegenwärtigen Rekordnotierungen jenseits von 40 US-Dollar ja Barrel hält Gern unterdessen von der Angebots-Nachfragesituation her für „nicht gerechtfertigt“. Sollte „die leichte Hysterie“ am Markt abklingen, erscheine ein Ölpreisrückgang wahrscheinlich, sagte er. Wegen der bestehenden Unsicherheit im Irak und Angesichts des Justizchaos um den russischen Ölkonzern Yukos sei am Markt eine „erhebliche Risikoprämie“ enthalten.

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