Dienstleistungsindex
Service-Sektor wächst weiter

Die deutsche Service-Branche kann ihren Wachstumskurs fortsetzen - allerdings nur mit vermindertem Schwung. Der RBS/NTC-Dienstleistungsindex sank im November um vier Zehntel auf 54,8 Punkte. Damit blieb er jedoch noch deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und seinem langfristigen Durchschnitt.

HB BERLIN. „Wir werden auch im vierten Quartal von den Dienstleistern nennenswertes Wachstum haben“, sagte Jörg Lüschow von der WestLB. In der Euro-Zone konnte die Branche ihr Wachstum sogar beschleunigen: Der EMI stieg auf 55,2 von 54,9 Zählern.

Die rund 450 befragten deutschen Unternehmen verzeichneten nur einen moderaten Anstieg des Auftragseingangs, so dass ihr Auftragsbestand erneut zurück ging und sie, im Gegensatz zu den meisten europäischen Konkurrenten, per saldo Stellen abbauten. Der Optimismus blieb jedoch fast ungebrochen: „Fast ein Drittel der befragten Dienstleistungsunternehmen war im November zuversichtlich, dass sich ihre Geschäfte binnen Jahresfrist verbessern werden“, erklärte NTC.

Befragte Analysten hatten mit einem etwas schwächeren Rückgang für Deutschland gerechnet, Analyst Lüschow sagte: „Das liegt alles im Rahmen der Erwartungen, der Sektor befindet sich weiter auf einem soliden Wachstumspfad.“ Und auch sein Kollege Brian Mandt von der Postbank befand, dass der Rückgang kein Alarmsignal sei. Der Anstieg in der Euro-Zone sei jedoch unerwartet stark gewesen , was vor allem an der deutlichen Verbesserung in Italien lag. Der öffentliche und private Service-Sektor produziert über 60 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts, wobei der öffentliche Dienst vom EMI aber nicht erfasst wird.

„Die Umfrage zeigt ein robustes Wachstum der Geschäftsaktivität“, sagte der Chefvolkswirt von NTC, Chris Williamson. Trotzdem gebe es Gründe zur Besorgnis wie den Rückgang der Auftragskomponente auf 51,2 von 53,3 Punkten in Deutschland. „Das scheint vor allem an der Sorge über die politische Situation zu liegen.“ In Spanien und Italien füllten sich die Auftragsbücher hingegen so stark wie seit einem Jahr nicht mehr, die schwache Nachfrage in Deutschland hielt jedoch das Barometer für die Neuaufträge in der Euro-Zone zurück, das auf 53,5 von 54,2 Punkten sank. Die deutschen Firmen gingen jedoch davon aus, dass die geschwächte Nachfrage nur vorrübergehend sei, sagte Williamson. Auch der angeschlagene Einzelhandel, der im EMI nicht erfasst wird, hat nach einem Käuferansturm am zweiten Adventssamstag Grund zur Hoffnung auf eine Trendwende beim privaten Konsum.

Die weiter kräftig steigenden Kosten konnten die deutschen Dienstleister im November erstmal seit dreieinhalb Jahren mit höheren Verkaufspreisen an ihre Kunden weiter geben: Das Preis-Barometer stieg auf 50,8 Zähler von 49,3. Dies sei ein Zeichen, dass die Unternehmen etwas Preismacht zurückgewännen, sagte Williamson: „Das ist eine sehr ermutigende Entwicklung.“ Die Kosten stiegen ähnlich stark wie im Vormonat, Hauptpreistreiber waren die hohen Energiekosten. Dass die Einkaufspreise der Unternehmen in der Euro-Zone weiter kräftig zulegten, sollte nach Ansicht von Gavin Redknap, Analyst bei Standard Chartered, auch die EZB beunruhigen: „Insgesamt sieht das nach ordentlichem Wachstum und ziemlich starker Inflation in der Euro-Zone aus.“

Die steigenden Einkaufspreise führten erneut zu einem mäßigen Abbau von Arbeitsplätzen in dem Sektor in Deutschland, wie die entsprechende Komponente mit einem Rückgang auf 49,7 von 49,9 Punkten anzeigte. Auch die italienischen Service-Firmen entließen unterm Strich Mitarbeiter, während in Spanien und Frankreich neue Jobs in der Branche geschaffen wurden - insgesamt wurde wie bereits seit 16 Monaten die Beschäftigung in der Euro-Zone ausgeweitet.

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