DIHK-Studie
Bringen Exporte die Trendwende?

Die in der Krise arg gebeutelten Exporteure entwickeln sich zum großen Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft. So traut der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) dem Außenhandel zu, als Lokomotive die deutsche Wirtschaft aus dem Tief zu ziehen. Vor allem das US-Geschäft wird vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Allerdings ist Geduld gefragt, so der Tenor einer am Dienstag vorgelegten Studie über die Aussichten für den deutschen Außenhandel 2009/10. Die Krise hat die deutschen Exporteure hart getroffen: Nachdem sie 2008 einen Rekordumsatz von 995 Mrd. Euro eingefahren hatten, dürften sie laut DIHK in diesem Jahr rund 180 Mrd. Euro weniger umsetzen.

"Obgleich die jüngsten Meldungen zur Wirtschaftslage eine wesentlich schnellere Erholung der deutschen Außenwirtschaft vermuten lassen, gehen wir von einer eher holprigen Wegstrecke für dieses und das kommende Jahr aus", sagt DIHK-Außenwirtschaftsexperte Axel Nitschke. Die ersten Anzeichen einer Erholung kämen gerade aus den Ländern, in denen die deutsche Exportwirtschaft zu Beginn der Krise einen besonders drastischen Rückschlag verkraften musste - den Ländern der Euro-Zone.

Aber auch die USA dürften sich vom Sorgenkind, das als Hauptverursacher der Krise gilt, zum Hoffnungsträger für den deutschen Export entwickeln, analysiert der DIHK. Trotz vieler Risiken bestehe Anlass zu erster vorsichtiger Zuversicht für die deutschen Exporteure. Zuletzt hatten etliche Konjunkturdaten die Hoffnung genährt, dass sich die mit Abstand größte Volkswirtschaft der Welt von der tiefschürfenden Krise zumindest etwas erholt. So war die Produktivität im zweiten Quartal deutlich gestiegen. Die Arbeitslosigkeit hatte zuletzt weit langsamer zugelegt als vermutet.

Dass einige der führenden deutschen Industriekonzerne inzwischen an eine Trendwende in der US-Wirtschaft glauben, zeigt auch eine Umfrage des Handelsblatts. "Wir sehen in den USA erste Zeichen für eine Erholung, die jedoch größtenteils auf den Lagerabbau der letzten neun Monate zurückzuführen ist", sagt Robert Koehler, Vorstandsvorsitzender des Graphitspezialisten SGL Carbon. In den vergangenen Wochen habe sich die Auftragslage, insbesondere aus der Stahlindustrie, leicht verbessert. Koehlers Kundschaft, Stahlhersteller in Nordamerika, nehmen stillgelegte Hochöfen wieder in Betrieb.

Auch der Chef der im TecDax notierten Pfeiffer Vaccum, Matthias Wiemer, ist optimistisch: "Die Talsohle in den USA scheint erreicht zu sein. Dies spüren wir leicht in den Märkten Halbleitertechnik, Analytik und in der Forschung und Entwicklung." Das Unternehmen erwarte hier einen leichten Aufwärtstrend in den nächsten sechs Monaten, so der Spezialist für Vakuumtechnologie.

Nach Einschätzung des weltgrößten Chemiekonzerns BASF "deuten die Zeichen in der verarbeitenden Industrie sowie die Entwicklung des privaten Wohnungsbaus auf eine Stabilisierung in Nordamerika hin." Der freie Fall der US-Wirtschaft sei jedenfalls vorüber und die "wirtschaftliche Talsohle könnte in der zweiten Jahreshälfte durchschritten werden".

Diese Einschätzungen von BASF-Kunden in Nordamerika beziehen sich allerdings auf einen sehr kurzen Zeitraum, sagt ein Firmensprecher. Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung könne daraus nicht abgeleitet werden. Weil sich die US-Wirtschaft noch immer in einer tiefen Rezession befinde, rechne BASF deshalb im Gesamtjahr 2009 mit einem "spürbaren Rückgang in der Produktion".

Es gibt aber auch ganz andere Einschätzungen. "Wir haben in den USA im ersten Halbjahr noch keine Anzeichen einer nachhaltigen wirtschaftlichen Belebung gespürt", heißt es beim Industriegasehersteller Linde. Weltweit betrachtet habe sich das Gasegeschäft allerdings zum Ende des ersten Halbjahrs weitestgehend stabilisiert, in einigen Wachstumsmärkten - insbesondere in China - seien Erholungstendenzen zu erkennen.

Das Reich der Mitte wird laut DIHK nicht nur eine immer wichtigere Zielregion deutscher Exporteure. Die Exporte von China selbst werden wohl weniger stark einbrechen als die deutschen - und der Titel des Exportweltmeisters erneut in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Deutschland entschieden.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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