DIHK-Umfrage
Unternehmen klagen über teure Kredite

Die Finanzierungsprobleme in der deutschen Wirtschaft verschärfen sich, trotz anhaltend positiver Konjunkturnachrichten Das ergibt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

FRANKFURT. Bereits das sechste Mal in Folge verbuchte die Industrie und damit der Taktgeber der deutschen Wirtschaft ein Auftragsplus, meldete das Bundeswirtschaftsministerium. Zugleich verschärfen sich die Finanzierungsprobleme in der deutschen Wirtschaft. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter mehr als 20 000 Unternehmen im September hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

26 Prozent der Unternehmen berichten der groß angelegten Umfrage zufolge von verschlechterten Kreditkonditionen – das sind drei Prozentpunkte mehr als noch bei der letzten Umfrage im Frühsommer. Bei drei Prozent wurden Kredite sogar abgelehnt. Gleichzeitig ist der Anteil der Unternehmen, die über bessere Kreditkonditionen berichten, um einen Punkt auf neun Prozent gesunken.

Spätestens Anfang 2010 will der DIHK daher zu einem weiteren Finanzierungsgipfel einladen. Nach dem letzten Gipfeltreffen von Spitzenvertretern der Wirtschaft und der Finanzindustrie Anfang September hatte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ein Programm im Umfang von mindestens 17,5 Mrd. Euro angekündigt, das eine flächendeckende Kreditklemme in Deutschland verhindern soll. Die Kreditwirtschaft hatte sich im Gegenzug verpflichtet, „alle ihr im Rahmen der jeweiligen Geschäftsmodelle gegebenen Möglichkeiten auszuschöpfen, die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft in den kommenden Monaten sicherzustellen“.

Die Maßnahmen reichen der Wirtschaft offenbar nicht aus. Es gebe zwar nach wie vor „keine generelle Kreditklemme“, sagt DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann dem Handelsblatt. Aber die Finanzierungssituation verschlechtere sich im Mittelstand und sogar für Unternehmen mit verbesserten Geschäftserwartungen. „Ein für die Erholung der deutschen Wirtschaft wichtiges Standbein – nämlich der Export – droht wegen fehlender Finanzierung als Konjunkturmotor geschwächt zu werden“, mahnt er.

Bislang setzt die deutsche Wirtschaft ihre Erholung aber fort: Im August verbuchte die Industrie erneut ein Auftragsplus. Die Order kletterten um 1,4 Prozent verglichen mit dem Vormonat. Ausschlaggebend für die weitere Zunahme der Bestellungen war das kräftige Wachstum der Auslandsnachfrage um 4,6 Prozent. Dagegen gingen die Inlandsaufträge nach dem deutlichen Anstieg im Vormonat um 1,9 Prozent zurück. Das größte Orderplus verbuchten mit 2,8 Prozent die Vorleistungsgüterproduzenten. Bei den Investitionsgüterherstellern gingen 1,2 Prozent mehr Aufträge ein. Dem Ministerium zufolge kamen die Impulse vor allem von Kraftwagen- und Kraftwagenteileproduzenten (15 Prozent) und dem Maschinenbau (3,7 Prozent).

Damit dürften die Aufträge des verarbeitenden Gewerbes im gesamten dritten Quartal selbst dann um gut acht Prozent zulegen, wenn die Order im September stagnieren, hat Deka-Bank-Volkswirt Andreas Scheuerle berechnet. „Da baut sich etwas auf, was sich auch in der Produktion niederschlagen wird.“

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