Drastische Zinssenkung erwartet
Bernanke flutet die Märkte

Die US-Notenbank stemmt sich mit allen Mitteln gegen die Finanzkrise. Inzwischen gilt an den Märkten eine weitere Zinssenkung von mindestens 0,75 Prozentpunkten als sicher. Selbst eine Notoperation vor der nächsten Sitzung der Federal Reserve (Fed) am 18. März schließen Experten nicht aus.

NEW YORK/FRANKFURT. Ökonomen der Großbank HSBC erwarten, dass Fed-Chef Ben Bernanke die Leitzinsen in den USA in den nächsten zwölf Monaten auf ein Prozent drücken wird. So niedrig war das Zinsniveau zuletzt 2004, als Bernankes Vorgänger Alan Greenspan eine Depression abwenden wollte. Derzeit beträgt der Leitzinssatz in den USA drei Prozent.

Massive Zinssenkungen sind jedoch nicht einmal die stärkste Waffe im Kampf gegen die Krise. Die Fed will darüber hinaus im März bis zu 200 Mrd. Dollar Liquidität in die Kreditmärkte pumpen. Dazu hat sie das Volumen von zwei „Term Auction Facilities“ (TAF) von jeweils 30 auf 50 Mrd. Dollar angehoben. Bei der TAF handelt es sich um befristete Kredite an den Bankensektor, die mit einer breiten Palette von Wertpapieren abgesichert werden können.

Außerdem bietet die Notenbank im Rahmen ihrer Offenmarktoperationen 20 Banken Repo-Geschäfte von weiteren 100 Mrd. Dollar an. Auch das sind befristete Liquiditätshilfen. Die Maßnahmen sollen nach Angaben der Notenbank vor allem die Kreditklemme lockern.

Viele Ökonomen bezweifeln jedoch, dass die Medizin der Notenbank die Seuche auf den Finanzmärkten wirksam bekämpfen kann. „Ich glaube nicht, dass die Fed viel machen kann. Die Mittel der Geldpolitik gegen den größten Zusammenbruch auf dem Häusermarkt seit Jahrzehnten sind begrenzt“, sagte der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff. Erschwert wird die Aufgabe der Fed durch steigende Rohstoff- und Energiepreise sowie den Kursverfall des Dollars. Diese Faktoren treiben die Inflation nach oben.

Tatsächlich sind die bisherigen Rettungsversuche der Notenbanker weitgehend verpufft. Seit September 2007 hat Bernanke die Leitzinsen um 2,25 Prozentpunkte gesenkt und zusätzlich Milliarden Dollar in die Kreditmärkte gelenkt. Nach einer kurzen Entspannung hat sich die Lage aber wieder verschärft. Die Zinssätze auf dem Londoner Interbankenmarkt (Libor) liegen immer noch auf Krisenniveau. Auf dem Hypothekenmarkt sind die langfristigen Zinsen wieder gestiegen. Die Krise hat sich sogar noch ausgeweitet und jetzt auch die letzte Bastion des Hypothekenmarkts erreicht. So sind die Preise von Kreditderivaten unter Druck geraten, die von den staatlich gestützten Baufinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac garantiert werden und bislang als sicher galten. Der Preisverfall dieser Anleiheprodukte hat die Banken in Panik versetzt. Sie verlangen jetzt mehr Sicherheitsleistungen von den Investmentkunden, deren Spekulationen sie vorher mit großzügigen Krediten angeheizt hatten. Investmentfonds wie Carlyle Capital sind dadurch in eine Existenzkrise geraten.

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