Drastisches Minus
Chinas Exporte brechen unerwartet stark ein

China will sich zur führenden Exportnation aufschwingen, muss nun aber einen herben Rückschlag einstecken: Im Mai brachen die Ausfuhren drastisch ein. Selbst Experten zeigten sich überrascht.

HB PEKING. Die Exporte sanken um 26,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Zollbehörde am Donnerstag in Peking mitteilte. Das war bereits der siebte Monat in Folge mit einem Rückgang für die bis dahin erfolgsverwöhnten chinesischen Exporteure. Experten hatten lediglich mit einem Minus von 22,6 Prozent gerechnet. Grund für den erneuten Einbruch ist die Rezession bei den beiden wichtigsten Kunden, den USA und Europa. Die Importe brachen mit 25,2 Prozent fast genauso stark ein.

Experten zufolge ist die Tiefpunkt damit erreicht. „Ich denke, dass bei den Exporten die Talsohle erreicht wurde“, sagte Volkswirt Feng Yuming von Orient Securities in Shanghai. Gleichwohl werde es keine schnelle Erholung geben, weil sowohl die europäische und auch die US-Wirtschaft weiter schrumpften.

China ist nach Deutschland der weltgrößte Exporteur. Die Welthandelsorganisation WTO hält es für möglich, dass die Volksrepublik in diesem Jahr zur Nummer eins aufsteigt. Die Regierung in Peking stützt die Exportbranche mit Steuernachlässen. Sie hat zudem eine Aufwertung des Yuan verhindert, der chinesische Waren im Ausland verteuert hätte.

Die deutschen Exporte waren im April mit 28,7 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie. Allerdings spielten statistische Effekte eine Rolle – so zählte April wegen der späten Osterfeiertage zwei Arbeitstage weniger als vor Jahresfrist.

Trotz der Finanzkrise und des gescheiterten Einstiegs beim australischen Bergbau-Konzern Rio Tinto setzt China aber weiter auf Beteiligungen im Ausland. Die Möglichkeiten für solche Investitionen in hochwertige Unternehmen und Anlagen hätten zugenommen, hieß es in einer Erklärung auf der Internet-Seite des Handelsministeriums am Donnerstag. Zudem seien die Kosten für Investments gesunken und die Bedingungen für Beteiligungen hätten sich verbessert.

Derzeit wird mit Spannung auf Signale aus China geachtet, inwieweit das Land noch Beteiligungen im Ausland eingehen will. Grund dafür ist der gescheiterte Einstieg des staatlichen chinesischen Metall-Konzerns Chinalco mit knapp 20 Milliarden Dollar bei Rio Tinto. Das bereits eingefädelte Geschäft war wegen des Widerstands großer Rio-Anteilseigner geplatzt. Rio hatte stattdessen im Hintergrund eine Allianz mit dem heimischen Rivalen BHP Billiton eingefädelt. Kritiker des Rio-Geschäfts mit Chinalco hatten befürchtet, dass China durch den Einstieg zunehmend Zugriff und Einfluss auf im Ausland liegende Rohstoffe und deren Preise bekommt.

Chinalco erklärte am Donnerstag, man sei schwer enttäuscht vom Ausgang des Rio-Geschäfts. Branchenkenner schließen nicht aus, dass China deshalb seine Bemühungen an Auslandsbeteiligungen zunächst zurückfährt.

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