Drittes Quartal
Japans Wachstum kräftig nach unten revidiert

Die japanische Regierung hat ihre Berechnung des Wachstums im Sommerquartal extrem nach unten korrigiert. Nachdem das Land sich erst Mitte November über Nachrichten von einem Anstieg des Bruttoinlandprodukts von 1,2 Prozent freuen konnte, sollen es jetzt nur 0,3 Prozent gewesen ein. Gleich mehrere Annahmen waren offenbar falsch. Die Regierung muss die Statistik kleinlaut korrigieren.
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TOKIO. Das ist ein bloßes Viertel der vorläufigen Schätzung, und im weltweiten Vergleich kein besonders hoher Wert mehr. Das Ausmaß der Korrektur erstaunte Öffentlichkeit und Experten gleichermaßen, zumal in einem Land, das eigentlich für exakte Statistiken bekannt ist. Die Korrektur betrifft das Wachstum für Juli bis September im Vergleich zum Vorquartal.

Mehrere Annahmen falsch

Ökonomen zufolge lagen die Statistiker im November mit mehreren Annahmen gleichzeitig falsch. Zudem könnten sie sich mit der Korrektur in die umgekehrte Richtung geirrt haben. "Wir glauben tatsächlich, dass die neuen Zahlen den BIP-Wert für den fraglichen Zeitraum unterschätzen", schreibt Kyohei Morita von Barclays Capital in Tokio. Er hält die Abwärtskorrektur verschiedener Werte für "sehr auffällig". Der Ökonom weist vor allem auf die Ausrüstungsinvestitionen hin, deren Beitrag zum Wachstumswert von plus 0,2 Prozentpunkten auf minus 0,4 Prozentpunkte korrigiert wurde. Als Ursache sieht er hier die Zufügung von Daten aus der vierteljährlichen Unternehmensumfrage des Finanzministeriums, die bei der vorläufigen Berechnung des Bruttoinlandprodukts noch nicht vorlag.

Ebenfalls starke Ausreißer waren die Bestandsinvestitionen, die das Kabinettsamt nun 0,3 Prozentpunkte schwächer ansetzte. Den Konsum hatten die Beamten dagegen im ersten Versuch leicht unterschätzt - aber nicht genug, um die Ausreißer nach oben auszugleichen.

Die Bürokratie steht stets vor der Wahl, Daten vergleichsweise früh zu veröffentlichen oder lieber zu warten, bis die Ergebnisse sich erhärten. Der frühe Termin birgt die Gefahr, später zu peinlichen Korrekturen gezwungen zu sein. Japan hat öfter in den Monaten nach der vorläufigen Schätzung erheblich revidiert - tendenziell jedoch nach oben, was Raum für zusätzlichen Optimismus ließ.

Mit der aktuellen Revision sei das letze Wort noch nicht gesprochen, sagt Morita. Auch die hochgerechnete Unternehmensumfrage des Finanzministeriums sei anfällig für Abweichungen von den tatsächlichen Werten. Die erste Schätzung verlässt sich eher auf Daten von der Angebotsseite wie der Industrieproduktion. Diese sah jedoch wegen des rund laufenden Exports nach China vergleichsweise rosig aus.

Keine Katastrophe

Die neuen Erkenntnisse über die japanische BIP-Schwäche gelten zwar als Enttäuschung, doch sie bedeuten noch keine Katastrophe für die Bewertung des Wachstums. "Ein zweiter richtiger Durchhänger ist deswegen nicht zu befürchten", schreibt Ökonom Morita. Die Fachwelt habe ohnehin damit gerechnet, dass die Lage in der ersten Hälfte des kommenden Jahres schwer bleibt, weil Unternehmen wie Haushalte nach dem Auslaufen von Staatsprogrammen vorsichtiger mit ihren Ausgaben werden.

Selbst die Zahlen für die Nachfrage der öffentlichen Hand waren in der Statistik vom November offenbar zu hoch angesetzt. Für den Verbrauch der Regierung war eine Steigerung um 0,4 Prozent ausgewiesen, in der aktuellen Version sind es minus 0,1 Prozent. Die öffentlichen Investitionen wurden von einer Abnahme um 1,2 Prozent auf ein Minus von 1,6 Prozent korrigiert. Auch die Aktivität des Immobiliensektor sah die Novemberstatistik 0,2 Prozentpunkte optimistischer, als sie jetzt in der Revision erscheint.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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