Druck auf EZB steigt
EZB-Ratsmitglied: Zinssatz unter zwei Prozent möglich

Nach der historischen Zinssenkung der US-Notenbank Fed steigt nun der Druck auf die EZB den Leitzins ebenfalls deutlich zu senken. EZB-Ratsmitglied Axel Weber will dabei einen kurzzeitigen Zinssatz von unter zwei Prozent nicht mehr ausschließen. Das wäre ein Rekordtief für die Euro-Zone.

HB BERLIN/WASHINGTON. Die historische Zinssenkung der US-Notenbank dürfte Europas Währungshüter unter erhöhten Zugzwang setzen. EZB-Ratsmitglied Axel Weber sagte in einem am Mittwoch veröffentlichten Agentur-Interview, angesichts der niedrigen Inflation sei es möglich, dass der Zinssatz für kurze Zeit unter zwei Prozent falle. "Der Druck auf die EZB steigt, etwas zu tun", sagte Allianz/Dresdner Bank-Chefvolkswirt Michael Heise zu Reuters. Allein das Anziehen des Euro als Reaktion auf die Entscheidung der Federal Reserve verstärke die konjunkturellen Schwierigkeiten in Europa nochmals. "Die Europäische Zentralbank wird jede Chance nutzen, um die Zinsen weiter zu senken."

Die US-Notenbank Fed hatte am Dienstag den Leitzins von 1,0 Prozent überraschend auf eine Spanne von Null bis 0,25 Prozent gesenkt. Der Zins liegt damit so niedrig wie seit über einem halben Jahrhundert nicht mehr. Damit hat sich die Fed im Kampf gegen die Rezession vorerst von der traditionellen Zinspolitik verabschiedet. Sie kündigte auch an, zunehmend Staatsanleihen etwa von Hypothekenfinanzierern aufkaufen zu wollen, um für mehr Liquidität zu sorgen.

Nach Ansicht von DekaBank-Chefökonom Ulrich Kater dürfte eine Geldpolitik jenseits des Leitzinses die EZB anders als deren US-Kollegen derzeit noch nicht beschäftigten. "Sie werden erst darüber nachdenken, wenn sich die Konjunktur in Europa ab Mitte 2009 überhaupt nicht belebt."

Die EZB hat noch Spielraum in ihrer Geldpolitik. Die Notenbank hatte Anfang Dezember den Leitzins von 3,25 auf 2,5 Prozent gesenkt - so stark wie noch nie. "Ich würde nicht die Alarmglocken läuten, wenn - in einer Situation mit sehr niedriger Inflation und positiven Realzinsen - die Nominalzinsen kurz unter zwei Prozent fallen würden", wurde Bundesbank-Präsident Weber in einem bereits am Montag geführten Interview der Nachrichtenagentur Dow Jones zitiert. "Wir haben aber bisher keine Erfahrungen mit historisch so niedrigen Leitzinsen, deshalb müssen wir äußerst vorsichtig sein, wenn wir in diesen Bereich vordringen", sagte Weber. Sollten sich die Konjunkturaussichten zudem aufhellen, müsste das Zinsniveau dann auch schnell und entschlossen wieder angehoben werden.

Seit Anfang Oktober hat die EZB ihren Leitzins um insgesamt eindreiviertel Prozentpunkte gedrosselt, um der Rezession zu begegnen. "Der Druck besteht unabhängig von dem, was die Fed macht", betonte David Milleker, Chefökonom bei Union Investment. Allein der kräftige Abschwung sorge für Zugzwang.

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